Wohltuender Stillstand

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Am Morgen auf dem Weg zur Arbeit sein, im Tram, welches häufiger stillsteht als fährt. Und man sich entscheiden muss, ob man das häufige Stillstehen ärgerlich findet oder ob daran gar Gefallen gefunden werden kann.
Jemand weiter hinten im Tram hat sich definitiv für erstere Variante entschieden; die Person stampft mit dem Boden fest auf den Boden, sodass man es im ganzen Tram hört – und auch draussen.
Vielleicht ist es die ältere Frau, welche ab und zu am Morgen unterwegs ist mit dem Tram, und wenn jenes eben mal nicht weiterfahren kann – was natürlich vorkommen kann, welches die belebte Innenstadt durchquert wird – so stampft die Frau energisch auf den Boden. Die Leute, die diese Angewohnheit nicht kennen, blicken dann immer verwundert zu ihr – zu ihr, die den normalen Alltagstrott von vielen durchbricht; zu ihr, die Leute aus der Routine bringt, von den Smartphones aufblicken lässt, von den Gratiszeitungen, ungewollt, ja, vermutlich nimmt sie dies alles gar nicht wahr. Nur, dass das auf Schienen befindliche Beförderungsmittel angehalten hat.
Wenn ich mich entscheide, zur Abwechslung bei der vorletzten Station auszusteigen und über die Brücke zu gehen, so höre ich manchmal aus einem vorüberfahrenden roten Tram das wohlbekannte Stampfen.

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Stillstehen, nicht im Sinne von Stagnieren oder als etwas dauerhaftes – das kann etwas Schönes sein. Man kann innehalten, wahrnehmen. Auch bei Orten, die man schon kennt, oder gerade bei solchen Orten kann das sehr spannend sein, aufschlussreich oder beruhigend. Und gerade im Winter im warmen, gerade nicht fahrenden Tram zu sitzen und nach draussen blicken ist etwas angenehmes, man nimmt dasjenige, das da draussen ist anders wahr, als wenn man dort bloss vorbeigeht, eventuell gar noch in Eile, oder im Gespräch mit jemandem.  Hinaussehen durch das Fenster, den Menschen zusehen, die meisten sind einem unbekannt, manchmal jedoch sieht man ein vertrautes Gesicht. Der belebten Stadt einmal zusehen, als Unbeteiligter, als Beobachter.
Dafür muss man natürlich nicht im Tram sitzen, man kann auch draussen sein. Zum Beispiel beim Fotografien ist es zuweilen oder doch eher meistens erforderlich, dass man innehält, anhält. Auch darum mag ich es sehr, das Fotografieren.

Hier und weg sein

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In einem der grossen Warenhäuser, mitten in der Stadt. Hier zu sein mag ich sehr. Die Weite der Regale und Wege, die Gelassenheit, die hier meistens vorherrscht und für mich nicht erklärbar ist, bedeutet Einkaufen doch für die meisten Menschen nur Hektik.
Seit kurzer Zeit gibts auch in diesem Warenhaus die Möglichkeit des Selber-Waren-einlesen-und-bezahlen. „Self-Checkout“, nennt sich das hier, glaube ich. Auf alle Fälle fühlt es sich viel effizienter an, Wartezeiten gibts nur noch ganz selten. Automatisierung eben. Dachte ich zuerst. Wobei das ja nicht stimmt, nicht eine Maschine nimmt dem Menschen die Arbeit ab, sondern ein anderer Mensch; die Kundin/der Kunde der Kassiererin/dem Kassierer.

Auch im Einkaufszentrum kann man den kleinen Freuden des Alltags frönen. So wähle ich manchmal beim Checkout-Automaten als Sprache eine andere als Deutsch aus, zum Beispiel Englisch, und sofort macht sich ein Gefühl von Internationalität breit in mir, ein Gefühl der Grenzenlosigkeit, als wäre ich irgendwo, nur nicht hier. Wobei ich das Hier-Sein nicht in Abrede stellen will! Es ist schön, hier zu sein. Jetzt noch im Untergrund, jedoch Minuten später draussen in der angenehmen, da nun wirklich nicht kalten Novemberluft. Diese Luft, die die Frage aufwirft, ob der Winter ein typischer, kalter sein wird oder doch eher nicht, und es wieder so sein wird in der letzen vierten Jahreszeit. Ein kalter, schneereicher Winter, das wünsche ich mir! Das gedankliche Entfliehen in südlichere Gefilde zum Beispiel wäre so um vieles kontrastreicher.

Lieblingsbuch: Kurkows „Die letzte Liebe des Präsidenten“

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Generell lasse ich mir ungern DEN Lieblingstitel entlocken, sei es bei Filmen, CDs und so weiter. Gibt es doch so viele gute Werke!
Bei Büchern ists eigentlich nicht anders, ausser, dass ich da tatsächlich einen Lieblingstitel habe: „Die letzte Liebe des Präsidenten“ von Andrej Kurkow.
Eigentlich mag ich ja (fast) alle Bücher Kurkows, aber „Die letzte Liebe des Präsidenten“ ist einfach etwas besonderes. Und erst recht heutzutage.

Ein kurzer Abriss der Geschichte:

Das Leben von Sergej Pawlowitsch wird in „Die letzte Liebe des Präsidenten“ erzählt. Es wird immer wieder abgewechselt zwischen den verschiedenen Epochen; u.a. jene, in der Sergei die ersten Jahre des Erwachsenenlebens durchlebt, jene, in welchen er einen angenehmen Staats-Job hat und jener, in welcher er der ukrainische Präsident ist.  Obschon ich nicht unbedingt Fan solcher Zeitsprünge bin, erzählt Kurkow recht geschickt auf diese Art und Weise; das Leben Sergej Pawlowitschs verdichtet sich so mehr und mehr für die Leserin/den Leser.
Sergei ist anfangs und auch später nicht gerade karierreorientiert, hat aber irgendwie immer Glück und erklimmt so seinen Weg bis zum höchsten Amt, jenes des Präsidenten. Obschon Glück habend, darf sich Sergej eigentlich stets immer mit Problemen herumschlagen (sonst wäre es ja auch langweilig!). Das hört auch nicht auf, als er Präsident ist, im Gegenteil. Lieblingsbuch: Kurkows „Die letzte Liebe des Präsidenten“ weiterlesen

Die Veränderung ist das einzige, was übrig bleibt. Und Mandarinen.

more than enough

Im Laden. Ich habe bereits bezahlt, es geht noch darum meine Einkäufe einzupacken. Hierfür hat man in vielen Läden der grossen Detailhandelskaufhäuser die Wahl zwischen stabilen Papiertüten, und dünnen Plastiksäckchen. Ich erinnere mich an Zeitungsberichte darüber, dass die Plastiksäckchen, die gratis zu beziehen sind, verboten sollen werden. Und an einen erst kürzlich gelesenen Artikel, der besagt hat, dass eigentlich die Papiertaschen ökologisch weniger sinnvoll sind als die Plastiktütchen (wegen des Aufwands; der benötigten Menge an Wasser etc.)! Ich frage mich, wie das in der Prä-Internetzeit war. Damals lasen die meisten Leute eine oder vielleicht zwei Tageszeitungen. Zusätzlich vielleicht noch eine Fachzeitschrift, und vielleicht noch eine Illustrierte. Und was wir uns heute antun mit Lesen! Doch von antun kann ja keine Rede sein, eigentlich. Im Gegenteil; ist Lesen doch so etwas schönes, egal, ob es sich um ein anspruchsvolles Buch handelt oder einen etwas fragwürdigen Artikel aus einem Boulevardblatt. Ein anderer gelesener Text fällt mir auch noch ein, eine Bloggerin hat sich vor ein paar Monaten darüber amüsiert (oder aufgeregt?), dass so viele Menschen die instabilen Plastiktüten vorziehen beim Einkaufen, anstatt läppische 30 Rappen für die Papiervariante auszugeben. Just in dem Moment höre ich ein Geräusch; der Mann, der vor mir war in der Reihe und immer noch daran ist, seine ergatterte Ware mitnahmebereit zu machen, gehört augenscheinlich zum Typ Mensch, der die durchsichtigen Plaktiksäckchen bevorzugt, hat er doch einige solche gefüllt – wobei eines der Säckchen nun gerissen ist! Mandarinen kullern über den Boden.

Lärm und Luxus

the world is rushing by

Vom Land her kommend, war der Lärm der Stadt für mich etwas neues.
Ich mag ihn, mittlerweile, seit einer Weile – die Lebendigkeit, die er versprüht, die ihn verursacht. Ich mag es, mich darin zu befinden, Teil davon zu sein.
Oder auch einfach ihn zu spüren, zu hören, zu fühlen.
Aber auch das Ausblenden des Lärms, ihn zu verbannen. Zum Beispiel, indem ich das Balkonfenster schliesse, und schlagartig ist es ruhig.
Das mag ich. Die Möglichkeit, den Lärm auszublenden. Zu entscheiden; den Lärm zu geniessen, oder ihn nicht hören und spüren zu müssen.
Auswählen zu können. Das ist Luxus.

wir sind alle anders

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Es gibt Kinofilme, die mag ich. Sehr. Manchmal denke ich aber: die meisten andern würden diesen Film nicht mögen.
Es sind spezielle Filme, Filme, die ich speziell mag. Über die schlechte Rezensionen verfasst werden. Manchmal. Manchmal aber auch nicht, manchmal fallen die Rezensionen gut bis sehr gut aus.
Nach dem Lesen dieser Worte taucht sicher unwillkürlich die Frage auf, an was für Filme ich denke.
Bewusst möchte ich keine Titel nennen. Es geht nicht um Namen, einzelne Werke. Eigentlich auch nicht um die Filme. Sondern unter anderem um Vorlieben. Die jede und jeder von uns hat. Die sich auch bei Filmen, Büchern, Musik-Alben etc. pp. zu Worte melden. Vorlieben, die Einfluss nehmen. Ob wir es wollen, oder auch nicht. Aber nicht nur Vorlieben. Es geht auch darum, was wir erlebt haben. Um unsere Geschichte, nicht nur jene des Films. All das, das wir er- und durchlebt haben, prägt uns. Entscheidet mit, wie wir etwas finden. Und macht uns alle einzigartig. Und unsere Geschmäcker. Unsere eigene Geschichte entscheidet mit, was für Geschichten wir mögen.

Das Schöne an E-Books. Oder das Schöne an analogen Büchern.

Casanova's Homecoming and the lights of Malta

Das Schöne an E-Books ist, dass der Inhalt im Vordergrund steht. Jedes Buch wird in derselben Schrift dargestellt (wenn man das denn möchte). Ein längeres Werk hat nicht mehr (physisches) Gewicht als eine Kurzgeschichte.

Man kann das auch umdrehen. Und sagen, jedes analoge Buch hat seine Einzigartigkeit, aufgrund der Kombination aus der Anzahl Seiten und des damit verbundenen Umfangs, des Umschlagbildes, und so weiter. Der Eselsohren, die mit oder ohne Absicht entstehen.

Man kann das sehen, wie man will. So oder so. Beide Sichtweisen sind in Ordnung. Und irgendwie schön.

Film: Locke

through the fog

Im Film gehts, wie der Titel verrät, um Locke. Ivan Locke, um genau zu sein. Gespielt wird ebenjener von Tom Hardy. Andere Personen kriegt man im Film nicht zu sehen. Praktisch der ganze Film spielt auf der Strasse, lediglich am Anfang sieht man Locke in seinen Wagen einsteigen.
Beim Anschauen des Trailers wurde ich irgendwie irregeleitet. Erwartete ich  danach doch einen Krimi oder Thriller.
Diese Genre-Beschreibung passt aber gar nicht. Locke ist Bauleiter und Familienvater, und versäumt ein extrem wichtiges Projekt, weil eine Frau, mit der er eine Nacht zusammen war, schwanger ist und das Kind unterwegs. Und da er nicht wie sein eigener Vater sein will, macht er sich auf den Weg zum Spital. Dabei versucht er, so gut wie möglich Probleme auf der Baustelle telefonisch zu lösen, und beichtet des weiteren seiner Frau den einmaligen Ausrutscher und die Folgen davon.

Der Film ist insofern speziell, als dass er wie gesagt ausschliesslich in einem Auto spielt (und mich unweiterlich an „Nicht auflegen“ erinnert). Wobei „Locke“ sich doch ziemlich von „Nicht auflegen“ unterscheidet; jener Film spielt zwar hauptsächlich in einer Telefonzelle, im Gegensatz zu „Locke“ kriegt man noch andere Schauspieler/innen zu sehen. Film: Locke weiterlesen