Karussells und die Tristesse

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Karussells – das ist ja etwas, das Spass erzeugen soll, ebendafür da ist. Vorallem bei Kindern, natürlich. Aber nicht nur.

Auf mich haben Karussells (dieser Tage) jedoch eine triste Wirkung. Ich weiss auch nicht, warum. Ich habe nichts gegen diese aufwändig erstellten technischen Maschinerien, die (manchmal) liebevoll verziert sind. Und als Kind hatte ich sicherlich Freude daran, ich weiss es nicht mehr.

Am ersten Mal ist es mir heuer an der Bümplizer Chilbi aufgefallen, die Tristheit bei den genannten Objekten. Es lag vielleicht daran, dass es fast keine Leute hatte an der Chilbi, das lässt die Karussells (und den Vergnügungspark) natürlich nicht sonderlich vergnüglich aussehen. Vielleicht lag es aber auch an den alten, in die Jahre gekommenen Anlagen. Bei welchen es wohl nur noch eine Frage der Zeit ist, wie lange sie noch genutzt werden dürfen. Ob „Rösslispiele“ dieser Tage immer noch produziert werden? Vielleicht. Ich weiss es nicht. Vielleicht ist es ja das verzweifelte letzte Aufbäumen der Jahrmärkte, das ich spüre.

Wie auch immer. Gerade in der Tristesse liegt ja auch eine bestimmte Schönheit. Und jene Schönheit tragen die Karussells nun jedenfalls.

Wenn etwas fehlt

Ohne Titel

Auf der linken Lauben-Seite – vom Zyglogge aus gesehen – gehe ich entlang. Auf dieser Seite, der Swarovski-Seite, sind die Menschen jeweils freundlicher, besser gelaunt. Das ist nicht empirisch belegt,  es ist meine gefühlte, mit den Jahren erlangte Meinung.
Etwas ist heute anders. Ich überlege, merke, dass, als ich vorhin wohl unbewusst nach links geschaut habe, dass da, an der Stelle, der meine Aufmerksamkeit galt, früher vermutlich eine Scheibe – eine abdunkelte, um genau zu sein – gewesen sein muss, die gespiegelt hat. Und ich darin jeweils mein Spiegelbild betrachtet habe während dem vorbeigehen.

Jetzt jedenfalls ist die Scheibe weg, ebenso mein einst dort vorbeiziehendes Spiegelbild.

Die Sache mit dem Karma

Heute morgen, auf dem Weg zur Arbeit. Der Zug, den ich nehmen möchte und der mich normalerweise in die Stadt bringt, fällt aus. Auf der Anzeige oberhalb des Perrons wird ein „Ersatzzug“ angezeigt. Aber es handelt es sich dabei lediglich um den Zug, der nach dem „meinigen“ Zug – der eigentlich in diesem Moment hier halten sollte – als nächster Halt machen wird beim meinem Heimbahnhof gemäss normalem Fahrplan. Aber „Ersatzzug“ klingt wohl schön.

Am Abend dann, nach der Arbeit. Ich stehe auf dem Perron, und siehe da, ein Déjà-vu; „Ausfall“ steht da; der Zug, der mich nach Hause bringen sollte, fällt aus. Ich vermute schon etwas karmisches.

Doch dann denke ich, vielleicht liegt es ja nicht an mir. Zumal ja die grossen Bauarbeiten am hiesigen Bahnhof gestartet haben. Und siehe da, auf der „Wälle“ oben an einer Scheibe ist ein – notabene rotes – Plakat angeklebt, welches über diverse Zugausfälle informiert, aufgrund der schon erwähnten Bauarbeiten. Auch auf meiner Bahnstrecke gibt es baubedingt Ausfälle derzeit.

Ich bin froh, ist es keine Karmasache. Wobei, ausgeschlossen ist das ja noch nicht!

es muss nicht immer Hochglanz sein

bicycles

‚Seven seconds‘ ist eine durchaus bemerkenswerte, spannende (Netflix-)Serie.

Im Grunde geht es darum, dass ein weisser Polizist einen schwarzen Jungen anfährt.  Damit fängt es an, und darum geht es in der Serie. Auf den Plot will ich hier gar nicht gross eingehen. Beschreibung und Kritik der Serie finden sich auch anderswo.

Seven seconds spielt im Winter in New Jersey, da gehört Schnee dazu. Spannend finde ich immer wieder, wie schmutzig die vorkommenden Autos sind – die Autos, und vor allem auch die Fensterscheiben der Fahrzeuge. Die nicht vorhandene Sauberkeit fällt so richtig auf. Irgend wie ungewohnt. Ungewohnt real. Das sind zwar nur Details – Details, die jedoch für Au­then­ti­zi­tät sorgen.  Es muss nicht immer Hochglanz sein.

Entscheidungen

DSC03861St. Petersburg, Juli 2013

Manchmal, da macht man etwas – oder eben nicht – und weiss schon in dem Moment, dass man später darüber nachdenken wird, ob man es nicht hätte anders machen sollen.

Im Juli 2013, in St. Petersburg, da habe ich mich durch die Stadt treiben lassen, und mich auch ein bisschen verirrt dabei, etwas ausserhalb. Aber das macht nichts, man muss nicht immer genau wissen wo man ist. Sich etwas treiben lassen, ist manchmal genau das Richtige.

Jedenfalls war ich bei einem Bootshafen angelangt. Dort, beim Eingang war eine junge Frau, vor einer leuchtend blauen Holzwand. Sie sass da an einem Tisch, ich weiss nicht genau, was ihre Aufgabe war, vermutlich hatte sie Aufsicht über etwas. Egal, jedenfalls hätte ich die Frau – sie wirkte interessant, einzigartig – am liebsten gefragt, ob ich ein Foto von ihr machen könne, vor dieser Wand.

Generell habe ich keine Probleme, Leute zu fragen, ob ich sie fotografieren darf, und mittlerweile habe ich auch ein gutes Gespür dafür, ob sich jemand fotografieren lässt oder nicht. Aber irgendetwas hat mich damals gehindert, zu fragen, vielleicht auch nur der Umstand, in einem mir fremden Land zu sein, und die Menschen nicht gut einschätzen zu können hier. Ich wusste, ich frage sie nicht, und in dem Moment wusste ich auch, dass ich später über diese Entscheidung nachdenken werde. Sie zwar nicht bereuen werde – bereuen, das bringt ja auch nichts, aber darüber sinnieren. Zum Beispiel, wie das Foto herausgekommen wäre, ob es vielleicht das beste Bild gewesen wäre, das ich je gemacht hätte? – Ja, der Grat hin bis zum Bereuen, er ist ein schmaler!

Womit ich jedenfalls recht hatte, ist der Umstand, dass ich später nochmals über das alles nachdenken würde.