Das Aareschwimmen

Ohne Titel

Als ‚Wahlberner‘ kann ich ja vielleicht halbwegs objektiv über etwas berichten, das die meisten Einheimischen hier einfach lieben: das Aareschwimmen. Wobei, wenn ich es mir überlege: das, was ich über das Aareschwimmen sagen werde, ist wohl auch nicht mehr und nicht weniger als eine Liebeserklärung, gerichtet an den Fluss, der da durch die Bundesstadt fliesst.

Seit etwa 10 Jahren schwimme ich im Sommer immer wieder gerne in der Aare. Meistens steige ich ein beim Eichholz, und schwimme oder lasse mich einfach mittragen bis zur Marzili-Badi. Jedoch nur, wenn die Bedingungen gut sind, das heisst, wenn der Wasserstand nicht zu hoch ist, das Wasser klar ist und kein Schwemmholz und ähnliches dahintreibt auf dem Wasser. Und natürlich hat die Sonne zu scheinen und auch die Wassertemperatur soll stimmen; ab 16 Grad wage ich mich in die Wassermassen. 16 Grad, das ist nicht gerade warm, aber wenn man sich etwas bewegt, so ist es nach einer halben Minute gar nicht mehr so schlimm. Wenn man dann so dahin treibt im Wasser, hört man, wenn man etwas abtaucht, das Rauschen der Kieselsteine, welche von der Aare in Bewegung versetzt werden. Das Geräusch fasziniert mich auch heute immer wieder. An einigen Stellen ist die Aare auch in der Mitte nicht sehr tief, das ist gut zu wissen, damit man nicht mit den Füssen unsanft den Grund touchiert.

Die Aare-Strecke Eichholz-Marzili mag ich aufgrund der hier etwas ungezähmten, durchaus auch mal mit Wellengang aufwartenden Aare, aber insbesondere auch wegen der einmaligen Kulisse, die die  Strecke mit sich bringt; zu Beginn ist die Aare gesäumt von Wald. Nach einigen Kurven blickt man dann auf zum Bundeshaus hinauf, das sich weiter oben majestätisch präsentiert. Und blickt man sich kurz um, hat man Blick auf den ‚Hausberg‘ Gurten.

In heissen Sommertagen, in welchen auch eine kalte Dusche erhitzte Körper nicht wirklich abkühlen kann, ist ein Aareschwumm einfach etwas wunderbares. Danach fühlt man sich richtig erholt, auch nach einem langen Arbeitstag, der Kopf ist durchlüftet und der Körper abgekühlt für die nächsten paar Stunden.

Vor etwa einem Jahr, als es auch sehr heiss war, begab ich mich nach dem abendlichen Aareschwimmen in die Stadt. Ein Mann mit Turban, der mir in einer Gasse begegnete, sagte mir im Vorbeigehen: „You are a very lucky man!“
Vielleicht hatte diese Feststellung ja auch etwas mit dem Aareschwumm zu tun.
Wär weiss!

derailed

Herbst im alten Jahr. Vor dem Bahnhof, am Abend, vor acht Uhr. Mittlerweile ist es ja um diese Uhrzeit dunkel. Ich habe Kopfhörer auf, höre Musik über mein Handy. Beim Überqueren des Fussgängerstreifens unmittelbar vor dem Bahnhof verstummt die Musik, ohne dass ich das so gewollt hätte. Eine halbe Sekunde später: ein Geräusch ertönt, links neben mir. Einer Touristin ist ein Rollkoffer auf den Boden gefallen.
Die Welt ist gerade etwas aus den Fugen geraten, für einen kurzen Moment.

Wo man die Zeit vergisst

Spiez

Im März, in Spiez, beim Bahnhof. Der Zug Richtung Bern fährt langsam los, dann sehe ich einen Mann am Zug entlang rennen. Ich sehe, dass es sich um den Kondukteur handelt. Er hat vergessen, einzusteigen. Der Zug bremst ab, der Kondukteur kann einsteigen, und die Fahrt geht wieder los, mitsamt Kontrolleur.

Daran erinnere mich, weil ich heute wieder in Spiez war. Vor einem Zug reden zwei Kondukteure miteinander – einer blickt auf seine Uhr, stellt fest, dass es ja an der Zeit ist – der Zug hat jetzt abzufahren. Schnell steigt er ein, ebenso sein Kollege.

Spiez – scheinbar ein Ort, wo man die Zeit schnell vergessen kann.

Que sera, sera

Es ist der mit Spannung erwartete 18. März. Die Demonstrationen von Linken und Rechten sind zwar ofiziell abgesagt worden, doch offen ist, ob es nicht doch Ausschreitungen geben wird. Die Polizei jedenfalls ist gewappnet (es ist sogar eine Feriensperre verhängt worden), und vielerorts bereit stehend, falls es eskalieren sollte.
In einer der Laupen spielt ein Strassenmusiker ‚Que sera, sera‘.