es muss nicht immer Hochglanz sein

bicycles

‚Seven seconds‘ ist eine durchaus bemerkenswerte, spannende (Netflix-)Serie.

Im Grunde geht es darum, dass ein weisser Polizist einen schwarzen Jungen anfährt.  Damit fängt es an, und darum geht es in der Serie. Auf den Plot will ich hier gar nicht gross eingehen. Beschreibung und Kritik der Serie finden sich auch anderswo.

Seven seconds spielt im Winter in New Jersey, da gehört Schnee dazu. Spannend finde ich immer wieder, wie schmutzig die vorkommenden Autos sind – die Autos, und vor allem auch die Fensterscheiben der Fahrzeuge. Die nicht vorhandene Sauberkeit fällt so richtig auf. Irgend wie ungewohnt. Ungewohnt real. Das sind zwar nur Details – Details, die jedoch für Au­then­ti­zi­tät sorgen.  Es muss nicht immer Hochglanz sein.

Die Erhabenheit des Moments

Ein Dentalhygiene-Termin steht an. Ich betrete die Halle, wo die Lifte sind. Kurz bevor ich die Lifttüre erreiche, geht jene auf. Niemand ist ist drinnen, es ist, als wäre der Lift wie für mich bestellt worden. Etwas unheimlich (es gibt schliesslich keinen Bewegungsmelder, der die Liftöffnung veranlasst hätte), aber auch ziemlich toll.

massgeschneiderte Werbung

donnons du style à la vie

Die Qualität der Werbemitteilungen, die beim täglichen Surfen so erscheinen, ist schon fast erschreckend – erschreckend gut. Also, da natürlich, wo ich sie nicht blocken kann, auf der Instagram-App auf dem Handy zum Beispiel. Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich einmal bei einer solchen Werbemeldung schwach werde, und einen Kauf tätige.

Und ich merke, dass Werbeblocker nicht nur den Vorteil haben, dass sie lästige Werbung ausblenden, nein; sie geben auch Versuchungen gar nicht erst die Möglichkeit, vorstellig zu werden.

Entscheidungen

DSC03861St. Petersburg, Juli 2013

Manchmal, da macht man etwas – oder eben nicht – und weiss schon in dem Moment, dass man später darüber nachdenken wird, ob man es nicht hätte anders machen sollen.

Im Juli 2013, in St. Petersburg, da habe ich mich durch die Stadt treiben lassen, und mich auch ein bisschen verirrt dabei, etwas ausserhalb. Aber das macht nichts, man muss nicht immer genau wissen wo man ist. Sich etwas treiben lassen, ist manchmal genau das Richtige.

Jedenfalls war ich bei einem Bootshafen angelangt. Dort, beim Eingang war eine junge Frau, vor einer leuchtend blauen Holzwand. Sie sass da an einem Tisch, ich weiss nicht genau, was ihre Aufgabe war, vermutlich hatte sie Aufsicht über etwas. Egal, jedenfalls hätte ich die Frau – sie wirkte interessant, einzigartig – am liebsten gefragt, ob ich ein Foto von ihr machen könne, vor dieser Wand.

Generell habe ich keine Probleme, Leute zu fragen, ob ich sie fotografieren darf, und mittlerweile habe ich auch ein gutes Gespür dafür, ob sich jemand fotografieren lässt oder nicht. Aber irgendetwas hat mich damals gehindert, zu fragen, vielleicht auch nur der Umstand, in einem mir fremden Land zu sein, und die Menschen nicht gut einschätzen zu können hier. Ich wusste, ich frage sie nicht, und in dem Moment wusste ich auch, dass ich später über diese Entscheidung nachdenken werde. Sie zwar nicht bereuen werde – bereuen, das bringt ja auch nichts, aber darüber sinnieren. Zum Beispiel, wie das Foto herausgekommen wäre, ob es vielleicht das beste Bild gewesen wäre, das ich je gemacht hätte? – Ja, der Grat hin bis zum Bereuen, er ist ein schmaler!

Womit ich jedenfalls recht hatte, ist der Umstand, dass ich später nochmals über das alles nachdenken würde.