Die Kartoffeln dürfen nicht fehlen

irish potatoesDublin, im Juli 2012. In der Nähe des Phoenix Parks, an meinem 26. Geburtstag.

Ich komme an einer Bushaltestelle mit einem Mann ins Gespräch. Das passiert mir nicht selten, Dialoge mit Fremden.
Ich frage den Mann, ob ich ihn fotografieren darf. Er willigt sofort ein, aber die gekauften Kartoffeln müssen auf dem Foto sein. So entsteht das Bild.

Ich frage ihn dann auch, ob ich das Bild veröffentlichen darf, er ist einverstanden. Da er nichts zum Schreiben hat, und ich auch nicht, überquert er rasch die Strasse, dort ist eine Kollegin von ihm. Er kommt mit Papier zurück, und seiner Kollegin, auf dem von seiner Kollegin erhaltenen Zettel werden seine Koordinaten festgehalten. Wir verbleiben so, dass ich ihm den Link zum Bild sende, oder ein Abzug des Fotos von ihm, genau weiss ich es nicht mehr. Ich stecke den Zettel ein, doch als ich später im Hotelzimmer das Stück Papier hervorholen will, finde ich es nicht mehr. So habe ich mich entschlossen, das Bild nicht zu veröffentlichen.

Bis heute, zumal ich ja weiss, dass es den Mann freuen würde – und vielleicht, liest wer hier mit und kennt den Mann und kann ihm das Bild zeigen. Die Welt ist ja klein, schlussendlich.

Winterliche Wärme

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Es ist Dezember. Der Zibelemärit ist vorbei, der Herbst ebenso. Und auch der Samichlouse-Tag ist passé. Und die warmen Temperaturen, jedenfalls vorerst. Wer weiss, wenig verwunderlich wäre es, wenn die Kälte wieder weichen würde.
Das Treiben in der Stadt ist so geschäftig wie sonst nie. Vor allem am Samstag sind die Lauben so gefüllt, dass das Vorwärtskommen eine Geduldsprobe sein kann. Alle sind warm verpackt. Die nahenden Weihnachtstage sorgen dafür, dass viele schon in Eile sind. Zum Glück sind da noch die Touristen, die sind da schon gemählicher, bilden einen Gegenpol, einen ausgleichenden. Will doch so vieles bestaunt und fotografiert und besucht werden. Und der heisse Glühwein will getrunken werden.
Schon früh wird es dunkel, doch die Weihnachtsbeleuchtung – ein Konstrukt aus nackten Glühbirnen – sorgt dafür dass die Gassen fast gar taghell erstrahlen. Die Einzelteile der Weihnachtsbeleuchtung sind erstaunlich trivial und hässlich anzusehen, aber vielleicht muss das so sein. Aufs Gesamtwerk schliesslich kommt es an.

~

Obschon die Temperaturen nicht gerade zum draussen bleiben verlocken: es ist eine schwer zu beschreibende Wärme zu spüren und auch zu sehen (wenn auch nicht auf dem Thermometer). Vielleicht ist sie der vielen Leuten geschuldet, oder den zusätzlichen Lichtquellen. Vielleicht auch nicht. Vermutlich nicht. Die Wärme ist nicht greifbar, dennoch ziert sie sich nicht und lässt sich auch fotografieren.
Es ist eine schöne Wärme, eine, die keinen Schweiss verursacht. Sie breitet sich aus, ist ansteckend, doch ganz und gar ungefährlich.