Wenn etwas fehlt

Ohne Titel

Auf der linken Lauben-Seite – vom Zyglogge aus gesehen – gehe ich entlang. Auf dieser Seite, der Swarovski-Seite, sind die Menschen jeweils freundlicher, besser gelaunt. Das ist nicht empirisch belegt,  es ist meine gefühlte, mit den Jahren erlangte Meinung.
Etwas ist heute anders. Ich überlege, merke, dass, als ich vorhin wohl unbewusst nach links geschaut habe, dass da, an der Stelle, der meine Aufmerksamkeit galt, früher vermutlich eine Scheibe – eine abdunkelte, um genau zu sein – gewesen sein muss, die gespiegelt hat. Und ich darin jeweils mein Spiegelbild betrachtet habe während dem vorbeigehen.

Jetzt jedenfalls ist die Scheibe weg, ebenso mein einst dort vorbeiziehendes Spiegelbild.

Verschwindendes

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Fribourg, im Februar 2016

Am Bahnhof, auf dem Perron. Vis-à-vis vom Wartehäuschen ist ein ähnliches Häuschen, genauer gesagt, zwei Häuschen, hintereinander. Zu klein für einen Warteraum, und vorallem ohne Sitzmöglichkeit. Einen Moment lang frage ich mich, um was es sich hierbei wohl handelt. Räume für das Bahnhofpersonal? Das macht keinen Sinn, sind doch darin keinerlei Apparaturen, durch welche etwas erledigt werden kann. Dann merke ich: das sind einmal Telefonzellen gewesen. Nur sind die Telefonapparaturen entfernt worden, ebenso die Anschriften auf den Türen, auf einem Kästen in den Zellen steht noch der Schriftzug ‚Swisscom‘. An den Türen sind Schlösser angebracht. Ich frage mich, ob es die Abschliessmöglichkeit früher, als Telefonzellen noch genutzt wurden, auch schon gab. Und wie lange die Zellen noch hier stehen werden.

Von der digitalen in die analoge Welt, und wieder zurück

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Wenn die digitale Welt Einzug in der analogen hält.

Ich finde ja die Bemühungen der Buchhandlungen, mit der Zeit Schritt zu halten zuweilen ganz amüsant. Manchmal auch etwas traurig. Vorallem auch, wenn es gar nicht mehr um die Sache geht, sondern nur noch um die Existenzberechtigung, respektive darum, zu überleben. Und dabei sollte ja eigentlich die Sache der Antrieb sein. In einer idealen Welt.

 

Die Veränderung ist das einzige, was übrig bleibt. Und Mandarinen.

more than enough

Im Laden. Ich habe bereits bezahlt, es geht noch darum meine Einkäufe einzupacken. Hierfür hat man in vielen Läden der grossen Detailhandelskaufhäuser die Wahl zwischen stabilen Papiertüten, und dünnen Plastiksäckchen. Ich erinnere mich an Zeitungsberichte darüber, dass die Plastiksäckchen, die gratis zu beziehen sind, verboten sollen werden. Und an einen erst kürzlich gelesenen Artikel, der besagt hat, dass eigentlich die Papiertaschen ökologisch weniger sinnvoll sind als die Plastiktütchen (wegen des Aufwands; der benötigten Menge an Wasser etc.)! Ich frage mich, wie das in der Prä-Internetzeit war. Damals lasen die meisten Leute eine oder vielleicht zwei Tageszeitungen. Zusätzlich vielleicht noch eine Fachzeitschrift, und vielleicht noch eine Illustrierte. Und was wir uns heute antun mit Lesen! Doch von antun kann ja keine Rede sein, eigentlich. Im Gegenteil; ist Lesen doch so etwas schönes, egal, ob es sich um ein anspruchsvolles Buch handelt oder einen etwas fragwürdigen Artikel aus einem Boulevardblatt. Ein anderer gelesener Text fällt mir auch noch ein, eine Bloggerin hat sich vor ein paar Monaten darüber amüsiert (oder aufgeregt?), dass so viele Menschen die instabilen Plastiktüten vorziehen beim Einkaufen, anstatt läppische 30 Rappen für die Papiervariante auszugeben. Just in dem Moment höre ich ein Geräusch; der Mann, der vor mir war in der Reihe und immer noch daran ist, seine ergatterte Ware mitnahmebereit zu machen, gehört augenscheinlich zum Typ Mensch, der die durchsichtigen Plaktiksäckchen bevorzugt, hat er doch einige solche gefüllt – wobei eines der Säckchen nun gerissen ist! Mandarinen kullern über den Boden.

„Früher haben wir noch miteinander geredet!“

cellphone
Wir alle hören es immer wieder: Dass das ewige auf den Bildschirm-des-Smartphones-Glotzen vereinsamt und dumm macht.
Es gibt auf Facebook kursierende Youtube-Videos, die neue Technologien verteufeln – was an sich ziemlich absurd ist, da sie zur Verbreitung der Botschaft jene Plattformen nutzen, die verteufelt werden.
Wenn ich solche Aussagen höre oder Videos wie das genannte sehe, mag ich gar nicht mehr gross darüber diskutieren. Leute, die solche Äusserungen machen oder solche Inhalte verbereiten, ob alt oder jung, sind meistens unbelehrbar und wollen nichts anderes hören.
Dennoch, „fürs Protokoll“, meine 5-Cents dazu:

„Früher war alles besser“

Nein! Einiges mag besser gewesen sein, anderes ist heute besser (- wenn man denn unbedingt vergleichen muss). Vorallem ist heute alles (vieles) anders. Und das ist gut so. Vom Alter her werde ich wohl den Digital Natives zugeteilt, dennoch habe ich noch das Prä-Smartphone-Zeitalter miterlebt.
Damals sassen die Leute noch ohne ihre gescheiten digitalen Begleiter im Zug (in welchem noch geraucht werden durfte). Dennoch: man sass für sich, wenn mal alleine war, jede/r vorzugsweise in seinem eigenen Abteil. Anstelle auf einem Bildschirm umherzuwischen wurde gelesen, ein Buch, der Blick oder was auch immer. Oder es wurde Musik gehört.
Und heute sieht es doch gar nicht sooo viel anders aus. „Früher haben wir noch miteinander geredet!“ weiterlesen

(un)auffällige Leica

Seit drei Jahren bin ich nun schon im Besitze einer Leica M6.
Den Kauf der Kamera, welche vermutlich nicht viel jünger als ich ist, wenn denn überhaupt, habe ich nie bereut.

Dadurch, dass alles manuell eingestellt werden muss, habe ich viel über die Fotografie gelernt, und ich habe Gefallen an der Gattung der Messsucherkamera gefunden. Die Haptik der M6 ist einzigartig, und die Kompaktheit der Kamera und vorallem jene der auch M-Objektive weiss ich sehr zu schätzen.

Man kann viel lesen über die Kameras aus dem nördlichen Nachbarstaat. Unter anderem auch, dass eine Leica äusserst diskret sei aufgrund ihres unauffälligen Äusseren und des kaum hörbaren Verschlussgeräusches. Leise sind die M-Kameras zweifelsohne, und unauffällig mögen sie auch einmal gewesen sein. Doch meiner Erfahrung nach ist die Sache mit der Unauffälligkeit vorbei.

Wenn ich mit meiner M6 fotografiere, so werde ich ausserordentlich häufig auf die Kamera angesprochen. Heute geschah dies gar zwei Mal. Von vielen wird die Kamera als Leica erkannt, oder das altehrwürdige Erscheinungsbild der M weiss zu erstaunen und oder zu gefallen in der heutigen Welt, in der das Digitale das Analoge schon ziemlich verdrängt hat.

Ich finde das Angesprochen-werden meistens toll; entstehen so doch oftmals spannende Dialoge mit Kameraliebhabern. Doch die Diskretheit kann eine Leica-Kamera – egal ob digital oder analog – nur noch bedingt für sich beanspruchen, finde ich.