Lieblingsbuch: Kurkows „Die letzte Liebe des Präsidenten“

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Generell lasse ich mir ungern DEN Lieblingstitel entlocken, sei es bei Filmen, CDs und so weiter. Gibt es doch so viele gute Werke!
Bei Büchern ists eigentlich nicht anders, ausser, dass ich da tatsächlich einen Lieblingstitel habe: „Die letzte Liebe des Präsidenten“ von Andrej Kurkow.
Eigentlich mag ich ja (fast) alle Bücher Kurkows, aber „Die letzte Liebe des Präsidenten“ ist einfach etwas besonderes. Und erst recht heutzutage.

Ein kurzer Abriss der Geschichte:

Das Leben von Sergej Pawlowitsch wird in „Die letzte Liebe des Präsidenten“ erzählt. Es wird immer wieder abgewechselt zwischen den verschiedenen Epochen; u.a. jene, in der Sergei die ersten Jahre des Erwachsenenlebens durchlebt, jene, in welchen er einen angenehmen Staats-Job hat und jener, in welcher er der ukrainische Präsident ist.  Obschon ich nicht unbedingt Fan solcher Zeitsprünge bin, erzählt Kurkow recht geschickt auf diese Art und Weise; das Leben Sergej Pawlowitschs verdichtet sich so mehr und mehr für die Leserin/den Leser.
Sergei ist anfangs und auch später nicht gerade karierreorientiert, hat aber irgendwie immer Glück und erklimmt so seinen Weg bis zum höchsten Amt, jenes des Präsidenten. Obschon Glück habend, darf sich Sergej eigentlich stets immer mit Problemen herumschlagen (sonst wäre es ja auch langweilig!). Das hört auch nicht auf, als er Präsident ist, im Gegenteil. Lieblingsbuch: Kurkows „Die letzte Liebe des Präsidenten“ weiterlesen

Das Schöne an E-Books. Oder das Schöne an analogen Büchern.

Casanova's Homecoming and the lights of Malta

Das Schöne an E-Books ist, dass der Inhalt im Vordergrund steht. Jedes Buch wird in derselben Schrift dargestellt (wenn man das denn möchte). Ein längeres Werk hat nicht mehr (physisches) Gewicht als eine Kurzgeschichte.

Man kann das auch umdrehen. Und sagen, jedes analoge Buch hat seine Einzigartigkeit, aufgrund der Kombination aus der Anzahl Seiten und des damit verbundenen Umfangs, des Umschlagbildes, und so weiter. Der Eselsohren, die mit oder ohne Absicht entstehen.

Man kann das sehen, wie man will. So oder so. Beide Sichtweisen sind in Ordnung. Und irgendwie schön.

Oliver Harris: der neue Ian Rankin?

Nocturnal London

Die Bücher von Ian Rankin um den Polizisten John Rebus habe ich geliebt, liebe ich immer noch. Sie haben mich durch meine Jugend begleitet, circa einmal im Jahr gabs ein neues Buch mit dem Antihelden Rebus – jener, rauchend und trinkend, mit unkonventionellen Methoden, war stets erfolgreich beim Lösen der Fälle im schottischen Edinburgh.

Ich bin erwachsen geworden, und John Rebus alt. Vor einigen Jahren ging er in Rente, löste dann „Cold Cases“ und ist nun wieder zurück beim CID (Criminal Investigation Department).
Doch irgendwie verloren die Geschichten um die etwas tragische Gestalt Rebus an Feuer – für mich ab dem Moment, als Rebus erstmalig den Polizeidienst verliess.

Auch die Bücher Rankins, die im selben Umfeld aber mit einer anderen Hauptfigur, Malcom Fox, erzählt wurden, waren auch nicht schlecht – aber mehr nicht. Vielleicht steht auch darum im neusten Wurf Rebus wieder im Vordergrund.

Die Enttäuschung über die Entwicklung der Rankin-Werke wird dadurch gemildert, dass ich vor einer Weile einen neuen Autoren, Oliver Harris (auch aus dem UK, aber aus London) entdeckt habe. „London Killing“ ist das Debütwerk von Harris, mit einer Hauptfigur (Nick Belsey), die John Rebus eigentlich gar nicht unähnlich ist – quasi eine jüngere, englische Version des Schotten Rebus, irgendwie. Wenn denn das Vergleichen eines Schotten mit einem Engländer erlaubt ist. Oliver Harris: der neue Ian Rankin? weiterlesen

A long way down (Buch + Film)

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Die Bücher von Nick Hornby liebe ich. Also, die meisten jedenfalls. „A long way down“ habe ich sofort gekauft, nachdem es erschienen ist. Es war das erste Hornby-Buch, das mich nicht vollends überzeugt hat – ja, gar enttäuscht war ich nach dem Fertig-lesen. Im Buch geht es um vier Personen, die alle in der gleichen (Silvester-)Nacht Suizid begehen wollen auf dem selben Hochhaus-Dach. Die Gegenwart der anderen hält ein/e jede/r davon ab, die geplante Tat zu tun – es springt niemand. Die vier Personen kommen sich näher, bilden eine Art verschworene Gemeinschaft.

Jede der vier Personen erzählt seine Geschichte – und darin lag für mich das Problem des Buches: Jede der vier Personen unterscheidet sich von der anderen, und zwar ziemlich stark. Alle Charaktere erzählen im Buch ihre Geschichte, aus der Ich-Perspektive – und obschon der Unterschiedlichkeit der Hauptprotagonisten liest sich jede der Geschichten irgendwie gleich, vom Erzählstil her – das verdarb mir den Lesegenuss.
NB: An dieser Stelle muss gesagt werden, dass ich das Buch auf Deutsch gelesen habe – wie es in der Originalsprache ist, vermag ich nicht zu beurteilen – und Hornby-Bücher sind zum Teil ziemlich anders auf Englisch – schon nur wegen der nicht wenigen Kraftausdrücke, die in der deutschen Übersetzung grosszügig weggelassen werden.

Als ich hörte, dass das Buch verfilmt werden soll, war ich optimistisch: zwar fand ich das Buch aus den genannten Gründen gar nicht toll, doch die Story an sich schon, und in einem Film wird ja nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern erzählt.

Als ich gestern endlich den Film anschaute, so wurden meine Hoffnungen bestätigt: Das Anschauen des Werkes war eine wahre Freude, Einerseits wurde die Geschichte schön erzählt, ziemlich emotionsvoll und andererseits kann der Film mit einem eindrucksvollen Schauspieler/innen-Aufgebot aufwarten (unter anderem spielen Toni Collette und Pierce Brosnan mit).
Der 92-minütige Film ist wahrlich gelungen, abwechselnd zwischen amüsant, ernsthaft, bedrückend, und rührselig.

„A long way down“ – vermutlich das erste Mal, dass ich eine Buchverfilmung dem geschriebenen Werk vorziehe.