Die Tage sind länger und heller – wenn es nicht gerade wie aus Kübeln schüttet – ja, heller, so hell, dass es eigentlich nötig wäre, bei der Kamera die Blende etwas zu drosseln. Doch irgendwie wäre das schade, mit einer weniger offenen Blende zu fotografieren, zwar logisch und sicherlich am sinnvollsten, überbelichtete Bilder sind ja verpönt. Einen Filter, der etwas Licht vorenthalten würde, habe ich nicht dabei, wie meistens. Dafür die Sonnenbrille, die, da sie polarisiert ist, wunderbare Himmel aufzeigt. Wunderbare Himmel, die dann fotografiert werden, und wenn ich das gemachte Bild zuhause auf dem Bildschirm ansehe, sieht es viel langweiliger aus. Doch zum Glück lässt sich das anpassen, damit es so aussieht, wie in meiner Erinnerung. Diesen Anspruch habe ich beim Fotografieren; dass die fertigen Bilder so aussehen, wie ich das Sujet beim Abdrücken wahrgenommen habe. Das hat nicht immer nur mit der Realität zu tun; manchmal zwar schon, dann ist wie gesagt zum Beispiel verdunkeltes Sonnenbrillenglas im Spiel, manchmal aber auch ein nicht tatsächlich existenter Filter, ein gefühlsbasierter, der vielleicht nicht gerade rosa ist, aber eben auch nicht nur durchsichtig und farblos.
In der Stadt sind gefühlt viel mehr Touristen in der Stadt unterwegs als in vorherigen Jahren. Und auch viel mehr Strassenmusikantinnen und – musikanten gibt es, und sogar ein als Transformer maskierter Mann buhlt an den belebten Plätzen um Aufmerksamkeit.
Allmählich darf das eiskalte Gletscherwasser, das durch die Stadt fliesst, etwas versiegen, und der Fluss wärmer werden. Dann ist der Sommer da, und so, wie ich ihn mir wünsche.
Schlagwort: Fotografie
Am Zug sein

Zu welchem Typ Mensch gehörst du: Zu jenem, der hier einen einfahrenden Zug sieht, oder siehst du einen Zug, der den Bahnhof verlässt?
Oder bist du jemand, der diese Frage noch nicht innerlich beantwortet hat?
Und – fährt der Zug überhaupt? (Und ist dieselbe Lokomotive auch in Nordkorea unterwegs?)
Invasion der Selfie-Stangen
Damit der Chronistenpflicht Genüge getan wird: Die Selfie-Stange, die ich erstmals im letzten Herbst in Venedig entdeckt habe, hält Einzug in Bern. Ein Grossteil der Touristen hier läuft umher mit dieser Erfindung, die man gut oder auch weniger gut finden kann. Ich selber tue mich schwer damit, mir eine Meinung über das Konstrukt zu bilden. Kaufen würde ich so ein Teil nie (das sage ich zumindest heute!), halte es aber für ziemlich ehrlich, so eine Stange zu verwenden. Irgendwie. Und Ehrlichkeit ist ja etwas schönes.
die Kirche auf dem Hügel lassen
Sun Island

Hohe Erwartungen werden geschürt mit diesem Werbeschild. Wobei wir alle genau wissen, was uns da erwarten würde. Ohne dabei in einem Bräunungsstudio gewesen zu sein müssen. Diese Schilder, egal, wofür geworben wird, sehen nämlich immer so aus, sie wollen eine Sehnsucht wecken, doch dies ist nur Mittel zum Zweck. Um Sehnsucht geht es demjenigen, der das Schild aufgestellt hat, natürlich nicht.
Das Schild habe ich bei einer Tankstelle kurz vor Murten gesehen. Als ich beim Tankstellenshop meinen Einkauf bezahlt habe, gab ich dem Verkäufer nebst einigen Frankenstücken irrtümlicherweise eine Zwei-Euro-Münze. Diese Münze wurde mir höflich zurückgegeben, mit der Bemerkung, nur ‚richtiges‘, echtes Geld könne entgegengenommen werden.
Zurück zum Schild. Ich frage mich, wie alt es wohl ist. Vielleicht sogar so alt wie ich? Und ob es das Solarium noch gibt?
Die wohl nie aufhörende Debatte um die Strassenfotografie

Sie ist wieder aufgefacht worden, die Diskussion über die Strassenfotografie. Dass es einfach nicht möglich sei, authentische ‚Strassenfotos‘, wie ich sie hier vielleicht etwas salopp nenne, zu machen, wenn vorher, oder nachher eine Genehmigung der Fotografierten, des Fotografierten eingeholt werden soll, liest man. Und dass es ja quasi Chronistenpflicht ist, den Status Quo auf den Strassen fest zu halten mit der Kamera, sonst sieht man ja in der Zukunft nicht, wie es früher ausgesehen hat in der Stadt (damals, als die Autos noch nicht selbstfahrend waren)!
All dies leuchtet mir ein, irgendwie. Recht und Gesetz lasse ich mal aussen vor, mich interessieren genau so sehr moralische und ethische Gundsätze.
Ungeachtet oder trotz des Verständnisses, welches ich für die vorhin genannten Punkte habe, kann ich trotzdem uneingeschränkt zu den Worten stehen, die vor einiger Zeit geschrieben habe. Respekt ist wichtig, und die anfangs genannten Argumente sollen nicht als Ausrede gelten, alles und jeden, egal in welcher Situation, zu fotografieren, dem um-Aufmerksamkeit-heischen und der Sensation willen. Wenn man will, kann man vieles schönreden und rechtfertigen mit Worten.
Nein, wahre Strassenfotografie bildet für mich einen Zustand oder Moment oder eine Situation ab, es bedeutet, aufmerksam durch die Strassen zu ziehen, aufmerksam, und konzentriert, und wichtig: nicht ohne Seriosität.
Die Wünsche der Passanten zu respektieren (und trotzdem gute, und auch authentische Bilder machen), das geht auch ohne nach-Genehmigung-fragen, wenn man die Menschen nämlich wahrnimmt, sie zu verstehen versucht – das ist sowieso wichtig bei der Strassenfotografie, finde ich – dann merkt man in der Regel auch, und schnell, innert Sekunden oder Bruchteilen davon, ob es jetzt jemanden extrem stört, abgelichtet zu werden, oder ob sich die Person vielleicht gar freut, als Sujet oder Teil davon zu fungieren, auch das gibt es! Sensibilität ist dieser Tage umso wichtiger, und gesunder Menschenverstand schadet sowieso nie. Dann kommt es auch gut mit dem Fotografieren auf der Strasse – obwohl es soviele Fotografierende gibt mittlerweile.
Und irgendeines Tages sind vielleicht auch keine Grundsatzdebatten mehr nötig. Obwohl diese Grundsatzdebatten auch ihre Existenzberechtigung haben, und es ganz sicher sogar gut ist, wenn man das eigene Handeln, die eigene Vorgehensweise beim Fotografieren hinterfragt, ab und zu. Eine gelegentliche, wohldosierte Reflexion über das eigene Tun hat noch nie jemandem geschadet.
der letzte Dinosaurier

everything matters
Die Fotografie und ihre schönen Nebeneffekte
Das Fotografieren kann ein zweischneidiges Schwert sein. Das stete, nie endende auf-den-Auslöser-drücken kann dazu führen, dass man sich nicht auf etwas konzentrieren kann, zum Beispiel auf das Geniessen von Ferien. Wenn es nur noch darum geht, das perfekte Bild zu machen, und die Umgebung per se gar nicht mehr im Vordergrund steht und nur am Rande wahrgenommen wird (und man dafür mit 4’000 Bildern nach Hause kommt).
Im Idealfalle aber führt das Fotografieren dazu, dass man den Moment gar noch bewusster wahrnimmt, fördert doch das hinter-der Kamera-sein mit der Zeit das Schärfen der Sinne, verändert die Wahrnehmung etc. pp. – Das will vielleicht geübt sein oder eine gewisse Zeit muss hierfür verstreichen, es ist aber dennoch gar nicht schwierig und geschieht von selbst. Und das gute daran ist, dass dieses Bewusster-Wahrnehmen, das man sich durch das Fotografieren erwirbt, dann auch ohne Kamera nutzen kann. Und das ist schliesslich etwas vom Grossartigsten, das „den Moment-geniessen“.





