Die wohl nie aufhörende Debatte um die Strassenfotografie

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Sie ist wieder aufgefacht worden, die Diskussion über die Strassenfotografie. Dass es einfach nicht möglich sei, authentische ‚Strassenfotos‘, wie ich sie hier vielleicht etwas salopp nenne, zu machen, wenn vorher, oder nachher eine Genehmigung der Fotografierten, des Fotografierten eingeholt werden soll, liest man. Und dass es ja quasi Chronistenpflicht ist, den Status Quo auf den Strassen fest zu halten mit der Kamera, sonst sieht man ja in der Zukunft nicht, wie es früher ausgesehen hat in der Stadt (damals, als die Autos noch nicht selbstfahrend waren)!
All dies leuchtet mir ein, irgendwie. Recht und Gesetz lasse ich mal aussen vor, mich interessieren genau so sehr moralische und ethische Gundsätze.

Ungeachtet oder trotz des Verständnisses, welches ich für die vorhin genannten Punkte habe, kann ich trotzdem uneingeschränkt zu den Worten stehen, die vor einiger Zeit geschrieben habe. Respekt ist wichtig, und die anfangs genannten Argumente sollen nicht als Ausrede gelten, alles und jeden, egal in welcher Situation, zu fotografieren, dem um-Aufmerksamkeit-heischen und der Sensation willen. Wenn man will, kann man vieles schönreden und rechtfertigen mit Worten.
Nein, wahre Strassenfotografie bildet für mich einen Zustand oder Moment oder eine Situation ab, es bedeutet, aufmerksam durch die Strassen zu ziehen, aufmerksam, und konzentriert, und wichtig: nicht ohne Seriosität.
Die Wünsche der Passanten zu respektieren (und trotzdem gute, und auch authentische Bilder machen), das geht auch ohne nach-Genehmigung-fragen, wenn man die Menschen nämlich wahrnimmt, sie zu verstehen versucht – das ist sowieso wichtig bei der Strassenfotografie, finde ich – dann merkt man in der Regel auch, und schnell, innert Sekunden oder Bruchteilen davon, ob es jetzt jemanden extrem stört, abgelichtet zu werden, oder ob sich die Person vielleicht gar freut, als Sujet oder Teil davon zu fungieren, auch das gibt es! Sensibilität ist dieser Tage umso wichtiger, und gesunder Menschenverstand schadet sowieso nie. Dann kommt es auch gut mit dem Fotografieren auf der Strasse – obwohl es soviele Fotografierende gibt mittlerweile.

Und irgendeines Tages sind vielleicht auch keine Grundsatzdebatten mehr nötig. Obwohl diese Grundsatzdebatten auch ihre Existenzberechtigung haben, und es ganz sicher sogar gut ist, wenn man das eigene Handeln, die eigene Vorgehensweise beim Fotografieren hinterfragt, ab und zu. Eine gelegentliche, wohldosierte Reflexion über das eigene Tun hat noch nie jemandem geschadet.

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