Die Sache mit dem Karma

Heute morgen, auf dem Weg zur Arbeit. Der Zug, den ich nehmen möchte und der mich normalerweise in die Stadt bringt, fällt aus. Auf der Anzeige oberhalb des Perrons wird ein „Ersatzzug“ angezeigt. Aber es handelt es sich dabei lediglich um den Zug, der nach dem „meinigen“ Zug – der eigentlich in diesem Moment hier halten sollte – als nächster Halt machen wird beim meinem Heimbahnhof gemäss normalem Fahrplan. Aber „Ersatzzug“ klingt wohl schön.

Am Abend dann, nach der Arbeit. Ich stehe auf dem Perron, und siehe da, ein Déjà-vu; „Ausfall“ steht da; der Zug, der mich nach Hause bringen sollte, fällt aus. Ich vermute schon etwas karmisches.

Doch dann denke ich, vielleicht liegt es ja nicht an mir. Zumal ja die grossen Bauarbeiten am hiesigen Bahnhof gestartet haben. Und siehe da, auf der „Wälle“ oben an einer Scheibe ist ein – notabene rotes – Plakat angeklebt, welches über diverse Zugausfälle informiert, aufgrund der schon erwähnten Bauarbeiten. Auch auf meiner Bahnstrecke gibt es baubedingt Ausfälle derzeit.

Ich bin froh, ist es keine Karmasache. Wobei, ausgeschlossen ist das ja noch nicht!

Wo man die Zeit vergisst

Spiez

Im März, in Spiez, beim Bahnhof. Der Zug Richtung Bern fährt langsam los, dann sehe ich einen Mann am Zug entlang rennen. Ich sehe, dass es sich um den Kondukteur handelt. Er hat vergessen, einzusteigen. Der Zug bremst ab, der Kondukteur kann einsteigen, und die Fahrt geht wieder los, mitsamt Kontrolleur.

Daran erinnere mich, weil ich heute wieder in Spiez war. Vor einem Zug reden zwei Kondukteure miteinander – einer blickt auf seine Uhr, stellt fest, dass es ja an der Zeit ist – der Zug hat jetzt abzufahren. Schnell steigt er ein, ebenso sein Kollege.

Spiez – scheinbar ein Ort, wo man die Zeit schnell vergessen kann.

Gesammelte Zug-Momente

Der Zuganschieber

„Geits mitem Snowboard?“, fragt eine junge Frau im Abteil hinter uns.
Ein älterer Mann antwortet: „Ja, ja“. Und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: „Aber i finges super, dasder gfragt heit.“

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Lautsprecher-Durchsage, kurz vor Thun.
„Lokführer privat oder im Dienst wird gesucht. „

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Es isch scho nach Mitternacht, uf dr Strecki Züri-Bärn.
Eini zu eim: „Ligt er äch scho im Koma, odr isch r äch scho im Koma?“

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Es Ching zur Mueter:
„We ds Bundeshuus brönnt, chöme tuusegi Füürwehre!“

Heimat I

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Freitag Abend.

Nach langer Zeit reise ich wieder ins Oberland, dorthin, wo ich aufgewachsen bin.
Die SBB-Seite verrät, dass um achtzehn Uhr der Zug ziemlich voll sein wird.
Also beschliesse ich, etwas länger im Büro zu bleiben, und eine halbe Stunde später zu reisen.
Ein guter Entschluss, es hat genügend Platz im Zug, und es die Stimmung ist angenehm.

Einzig der Kerl, der direkt vor mir sitzt nervt mich etwas – er schreibt auf seinem Natel, mit lauten Tastentönen. Tastentöne – ich kann nicht begreifen, warum man diese eingeschaltet hat. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich zu heikel bin, dass mich so etwas, eigentlich eine Lappalie, stört.

Ich überlege, ob ich mich irgendwie beschäftigen soll während der Zugfahrt, die nicht ganz eineinhalb Stunden dauert. Ich sehe davon ab, es ist ein schöner Tag, und die Aussicht zu bewundern reicht vollends aus – und ich geniesse sie. Anders als früher, als ich noch pendelte und die Strecke täglich zweimal zurücklegte.
Überhaupt ist die Wahrnehmung dieser mir schon so lange bekannten Landschaft eine gänzlich andere als füher – die Berge scheinen höher und imposanter, das Tal unglaublich grün.
Aber so ist das wohl, wenn man Distanz zu etwas gewinnt.

Nach etwa einer Stunde Fahrt nimmt eine Mitreisende ein Gespräch auf dem Natel entgegen – und begibt sich in das Zwischenabteil, um das Gespräch dort zu führen. Das imponiert mir irgendwie – ist es doch irgendwie unter anderem ein schönes Zeichen von Respekt gegenüber den Mitmenschen.

Das Ankommen in der Heimat – dies geschieht nicht erst bei der Ankunft im Bahnhof.
Schon im Zug kommt ein „heimeliges“ Gefühl auf, als ich den melodischen, einzigartigen Dialekt bei vielen der Mitreisenden höre.

Unterwegs in Russland

11. Juli 2013

Die Abreise aus Moskau nach Petersburg ist für 13.30 Uhr geplant, um diese Zeit fährt der Zug, bei der Leningradski Station.

Im Vorfeld habe ich übers Hostel ein Taxi bestellt, welches um 12.30 Uhr erscheinen sollte. Leider trifft dann dieses nicht um diese Zeit ein, nach zehn Minuten warten frage ich bei der Hostel-Reception nach. Diese telefonieren mit der Taxi-Firma, „two minutes“ heisst es. Auch nach zwei und leider auch nach zehn weiteren Minuten kein Taxi in Sicht.

In der Hostel-Lobby melde ich mich erneut, die beiden jungen Frauen fangen einen Telefon-Marathon an. Alles nützt nichts. Viertel nach Eins sagt die eine der Frauen, dass sie mitkommen werde, wenn denn das Taxi kommen sollte.
Schliesslich, um 13.20 Uhr trifft ein schwarzer Mercedes ein – unsere Fahrgelegenheit. Zusammen mit der Hostel-Angestellten geht es los zum Bahnhof. Scheinbar weiss der Taxifahrer nicht wirklich wo jener ist. Bei einer roten Ampel wird die Adresse in eine Ipad eingegeben, es geht rasant weiter, im „Russian Style“, wie die nette Hostel-Angestellte neben mir meint. Das Tempo ist recht halsbrecherisch, und einmal müssen wir einer sich im Einsatz befindlichen Ambulanz ausweichen, wir sind mitten auf der vielspurigen Strasse.

Nach zehn Minuten Fahrt gelangen wir beim Bahnhof an. Dieser wird zur Zeit gerade umgebaut, doch wir finden rasch heraus, wo die Gleise sind.
Scheinbar muss für Reisen nach St. Petersburg das Gepäck geröntgt werden, doch dank der Dringlichkeitsbekundung, welche meine Helferin gegenüber dem Bahnpersonal äussert, kann ich das Durchleuchten überspringen und direkt zum Zug eilen.
Der Zug fährt los, ohne dass ich ihn erwischt habe. Haarknapp verpasst! Unterwegs in Russland weiterlesen