Stockholm I

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Das Ankommen in einer noch nicht bekannten Stadt oder einem noch nicht bekannten Land kann einem bereits vieles verraten. Das denke ich auch, nachdem ich in Stockholm angekommen bin.

Beim Billetautomaten hat es eine lange Schlange.
Als ich an der Reihe bin mit Billet-Lösen, stelle ich die Sprache mit etwas Bedauern von Schwedisch auf Englisch um, da ich Schwedisch überhaupt nicht verstehe. Nach meiner Eingabe stelle ich fest, dass nur mit Karte bezahlt werden kann. Ich erinnere mich schwach daran, vor geraumer Zeit gelesen zu haben, dass in Schweden die Barzahlung massiv an Bedeutung verloren hat.  Beim Weg zum Zug erstelle ich innerlich ein Memo: bei einem allfälligen erneuten Besuch hier lohnt es sich, am ersten Arlanda-Express–Billet-Automaten vorbeizugehen, es folgen bis zum Bahnsteig noch weitere billet-veräussernde Exemplare, die deutlich weniger respektive gar keinen Andrang haben. Wobei, wenn ich das nächste Mal hier bin, was auch noch in den Sternen steht, mag es hier auch ganz anders aussehen. Wer weiss. Stockholm I weiterlesen

Zagreb II

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Andere Länder, andere Sitten: Als ein Taxi benötigt wird, fragen wir den Concierge des Hotels in der Lobby. Der Concierge, ein älterer Mann, und ein Concierge, wie er im Buche steht, begleitet uns nach draussen, nimmt eine Trillerpfeife hervor, pfeift. Erfolgreich; prompt fährt ein Taxi die Auffahrt zum Hotel herauf.
Der Concierge erklärt noch: Das System mit dem Pfeifen sei zwar gut. Jedoch könne es auch Nebenwirkungen haben. Denn der Hauptbahnhof ist ganz nah.

Zagreb I

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Abends, in einer Hotelbar in Zagreb. Die Fensterfront erstreckt sich über eine ganze Wand, beim Hinausschauen wähne ich mich unwillkürlich in Bern, an einem bestimmten Ort dort werde ich versetzt, wegen dieses Gebäudes gegenüber und der Grünfläche rechts daneben, nur, um danach festzustellen, dass ich ein paar hundert Kilometer davon entfernt bin. Im ersten Moment sieht es ja draussen wirklich aus wie an dem Ort in den schweizerischen Gefilden, auch das blaue Bähnli, das vorbei fährt, passt; nur das Graffiti an der grauen Wand, das passt nicht so ganz, ebenso das Licht, das hier anderes, ganz anders ist als zuhause.

Die Metro-Münze

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Als ich letztes Jahr aus Russland zurückkam, blieb eine Münze, die zur Benutzung der Metro in St. Petersburg benutzt werden kann, übrig. Eigentlich nichts spezielles, doch für mich hatte das runde Scheibchen – und hat immer noch – eine spezielle Bedeutung. War doch die Russland-Reise bereichernd, eindrucksvoll, und obwohl ich nicht abergläubisch bin, wurde die Münze eine Art Glücksbringer für mich.
Als mir in diesem Sommer das Portmonee in Berlin geklaut worden ist, war die Münze interessanterweise, wohl dank glücklicher Umstände nicht mit im Portmonee, sondern zuhause in der Schweiz, und ist darum unverändert bei mir.

Auch dank der unscheinbaren Münze denke ich immer wieder an Russland, an die Menschen dort, an die russische Mentalität, aber natürlich auch die U-Bahnen.

Als ich neulich gelesen hatte, dass in Russland ebenjene Metro-Münzen in St. Petersburg gehortet werden, löste das sofort etwas aus in mir. Hat man doch andere Gefühle für ein Land, für eine Stadt, wenn man dort war und mit den Menschen in Kontakt war.
Und nie hätte ich gedacht, dass die kleinen, für wenig Rubel erhältlichen Metro-Münzen eine solche Bedeutung, auch medial, erhalten werden.

Zugfahren

Give Me Power

Nur noch ziemlich selten fahre ich Zug.
Unter der Woche ist es meistens nicht nötig, arbeite und wohne ich doch am selben Ort.
Ein wenig vermisse ich das Zugfahren ja.
Damals als ich noch pendelte (bis circa vor sieben Jahren), habe ich viel mehr gelesen.

Vor sieben Jahren – damals wurden die Züge noch nicht als Stromquelle genutzt. Heute profitiert fast ein jeder von den Steckdosen – in beiden Klassen der Züge.
(Eine Handy-Akkuladung hielt anno dazumal mindestens eine halbe Woche, Laptops waren noch nicht so schlank und leicht wie heute, und nicht sehr verbereitet.)

Das Bild im Innern des Zuges ist heute geprägt durch die – zumeist weissen – Kabel,  die etwas oberhalb der Köpfen der Sitzenden nach unten führen (Detail am Rande: In den SBB-Zügen zwischen Bern und Zürich hat es zwar pro Abteil zwei Steckdosen. Jedoch sind diese so weit oben angebracht, dass die Kabel der meisten Strom-Brauchenden zu kurz sind. Spannend anzusehen sind die kreativen Lösungsversuche, mit denen sich die Reisenden zu helfen wissen.)

Wie es wohl in sieben Jahren, im Jahr 2021, in unseren Zügen aussieht?

Venedig III

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18. September

Venedig ist nicht riesig. Darum habe ich schon am ersten Tag ziemlich viel von der Stadt gesehen.
Für heute ist ein Besuch auf Murano und San Michele vorgesehen. Murano ist bekannt für seine Glasbläsereien, San Michele ist die Friedhofsinsel Venedigs.

Beide Inseln sind wunderbar einfach zu erreichen mit dem Vaporetto – für dieses Transportmittel lohnt es sich übrigens durchaus eine Tages eine Tageskarte für mind. einen Tag zu lösen (ein Tag: 20€, zwei Tage: 30€; recht billig, finde ich). Venedig III weiterlesen

Venedig II

Am Morgen  nach der Ankunft in Venedig sehe ich die Wasserstadt das erste Mal tagsüber. Die Sonne meint es gut und lässt die Stadt und die Kanäle in herbstlichem Glanz erstrahlen.

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Die Stimmung ist heiter, kein Wunder bei dem Wetter und den warmen Temperaturen.
Zuerst verirre ich mich gehörig; statt in der Stadtmitte gelange ich an einen der südlichsten Punkte der Stadt. Und habe die Orientierung dermassen verloren, dass ich nicht mehr zurückfinde – auch das Einschalten des Natels und die Hilfe der üblichen Kartendienste helfen nicht viel.
Ich beschliesse, mich einfach treiben zu lassen, irgendwann finde ich dann schon wieder zurück. Und geniesse das „Being lost in Venice“-Gefühl.
Das Positive am sich-verirren in einer fremden Stadt ist, dass man so Bezirke und Dinge sieht, die ein normaler Tourist sonst nicht unbedingt zu Gesicht bekommt. Keine Stadt hat schliesslich nur auf Hochglanz polierte Viertel, und häufig sind die „unbehandelten“ Quartiere die interessantesten. Venedig II weiterlesen

Venedig I

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Die Landung auf dem Marco Polo-Flughafen ist später als geplant. Der Abflug in der Schweiz war etwa eine Stunde später als gedacht, und obschon der Pilot bei der Flugzeit aufgeholt hat – mindestens eine Viertelstunde kürzer als vorgesehen: bei so einer kurzen Strecke kann man nicht viel Zeit mehr gewinnen.
Für mich spielt das keine Rolle – ich habe Ferien und eine Stunde mehr oder weniger, who cares.
Wie auch immer – bei der Landung auf dem italienischen Flughafen war noch etwas Licht vorhanden. Beim Verlassen des Flughafens dann aber schon nicht mehr.
Ich gehe den Weg zu den Vaporettos – Venedigs Wassertaxis. Ebenjene sind die öffentlichen Verkehrsmittel der Lagunenstadt, und viel preiswerter als wenn privat eine Gondel angemietet wird. (Die selbe Situation wie bei uns mit Bussen und Taxis, plus Wasser.)

Viele Mitpassagiere hats nicht auf dem Transportschiff; ein Gruppe gutgelaunter kanadischer Frauen um die Fünfzig aus British Columbia, ein Pärchen aus den Staaten und zwei Venezianer.

Was zuerst auffällt, ist, dass die Vaporettos auf einer Art Wasserstrasse fahren (ehe die Zielstadt erreicht ist). Nämlich immer zwischen zwei Holzpfählen hindurch, welche als Wegmarkierung dienen. Bemerkenswert daran ist, dass diese Pfähle nicht beleuchtet sind, obschon es dunkel ist. Das Licht des Schiffes muss wohl ausreichen – und tut es auch – obwohl: einmal rumpelt es, irgendetwas muss dem Schiff zum Opfer gefallen sein. Venedig I weiterlesen

Berlin IV

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Die Warschauer Strasse – auch ein interessanter Teil Berlins. Nicht besonders schmuck, aber dennoch mit einem Charme ausgestattet, welcher schwer mit Worten zu beschreiben ist.
Als ich ankomme, finde ich ein unglaubliches Gewusel vor.
So viele Leute, die unterwegs sind. Trotz der Menschenmenge ist es ruhig hier.

Mehr Worte will ich nicht verlieren, und lasse die Bilder für sich sprechen.
Durch anklicken erscheinen die Fotos gross auf flickr.

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IMG_3978 Berlin IV weiterlesen

Selbst ist der Mann

when the curtain falls

Rückflug in die Schweiz.

Von der vordersten Economy-Reihe aus hat man, solange die Vorhänge noch nicht gefallen sind, Einblick in die Business-Klasse. Ein Typ darin sieht ziemlich exzentrisch aus; älterer Herr, gelbes T-Shirt, das verbliebene graue Haar ziemlich lang, aber fein gekämmt, langer Bart, die Barthaare sehen wie Fäden aus.
Der Kerl hat eine ziemlich profimässige Kamera bei sich. Meine Vorstellungskraft beginnt produktiv zu werden. Ich stelle mir vor, dass der Mann vielleicht ein erfolgreicher Fotograf ist, geniale Bilder schiesst und wie gesagt etwas exzentrisch ist, auch, weil er sich das leisten kann, und man es gar von ihm erwartet. Das Phantasieren nimmt ein Ende und ich verwerfe diese Theorie, als ich feststelle, dass der Mann Selfies macht, mehrere, aus verschiedenen Positionen.

Wobei: auch ein genialer Weltklasse-Fotograf kann/darf Selfies machen, oder?

Vielleicht stimmt meine Theorie ja doch.