Stockholm I

Stockholm_20150720

Das Ankommen in einer noch nicht bekannten Stadt oder einem noch nicht bekannten Land kann einem bereits vieles verraten. Das denke ich auch, nachdem ich in Stockholm angekommen bin.

Beim Billetautomaten hat es eine lange Schlange.
Als ich an der Reihe bin mit Billet-Lösen, stelle ich die Sprache mit etwas Bedauern von Schwedisch auf Englisch um, da ich Schwedisch überhaupt nicht verstehe. Nach meiner Eingabe stelle ich fest, dass nur mit Karte bezahlt werden kann. Ich erinnere mich schwach daran, vor geraumer Zeit gelesen zu haben, dass in Schweden die Barzahlung massiv an Bedeutung verloren hat.  Beim Weg zum Zug erstelle ich innerlich ein Memo: bei einem allfälligen erneuten Besuch hier lohnt es sich, am ersten Arlanda-Express–Billet-Automaten vorbeizugehen, es folgen bis zum Bahnsteig noch weitere billet-veräussernde Exemplare, die deutlich weniger respektive gar keinen Andrang haben. Wobei, wenn ich das nächste Mal hier bin, was auch noch in den Sternen steht, mag es hier auch ganz anders aussehen. Wer weiss.

Arlanda-Express – dieser vorher genannte Namen wird vom Zug getragen, der einen vom Flughafen in die Innenstadt Stockholms befördert (der Vollständigkeit halber sei vermerkt: es gibt auch noch andere, billigere Transportmöglichkeiten). Der unscheinbar anmutende, aber moderne Zug kann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h aufwarten, und so dauert die Fahrt in die anvisierte Innenstadt auch gar nicht lange. Der Zug ist wie gesagt modern, nicht nur äusserlich, er fährt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, sehr „ökonomiebewusst“, und kann sogar mit (kostenlosen) WLAN aufwarten. Unglaublich, das letztere, wenn man aus der Schweiz kommt! Auch Kondukteur ist nicht gleich Kondukteur, stelle ich fest, da gibt es verschiedene Mentalitäten. Darüber habe ich bis jetzt nicht nachgedacht. Zuhause, da ist ein Kontrolleur im Zug eine Art Respektsperson (idealerweise), seriös eingekleidet (Männer gar mit Krawatte), hier dagegen trägt der Kontrolleur (wobei dieser Ausdruck gar nicht so zu passen vermag) ein gelbes Polo-Shirt – die Farbe analog zum Transportmittel – ist aufrichtig fröhlich, das Prüfen der Billets scheint fast nur Nebensache zu sein.
Das finde ich irgendwie schön. Mag ich die Schweizer Mentalität doch auch, doch schliesslich kann man auch verschiedene Einstellungen oder Handhab-Arten sympathisch finden.

Eine Gemeinsamkeit von Schweden und der Schweiz (der Länder, die so oft verwechselt werden) ist sicherlich eine gewisse Modernität, wohl auf genügend finanzielle Mittel zurückzuführen. Wobei Schweden, wenn man genau hinschaut, gar noch etwas moderner zu erscheinen mag. Es ist spannend: obschon diesem Auf-dem-neusten-Stand sein, ist die Geschichte hier dennoch tief verwurzelt, augenscheinlich, und präsent (und natürlich schon erkennbar in der Staatsform des Landes) – und zwar nicht nur für den Tourismus.

Das Wetter hier ist mild; mild – so sei überhaupt der Sommer, bis jetzt, erfahre ich. Man sei gespannt, wie heiss es im August sein wird.