Hier und weg sein

inviting

In einem der grossen Warenhäuser, mitten in der Stadt. Hier zu sein mag ich sehr. Die Weite der Regale und Wege, die Gelassenheit, die hier meistens vorherrscht und für mich nicht erklärbar ist, bedeutet Einkaufen doch für die meisten Menschen nur Hektik.
Seit kurzer Zeit gibts auch in diesem Warenhaus die Möglichkeit des Selber-Waren-einlesen-und-bezahlen. „Self-Checkout“, nennt sich das hier, glaube ich. Auf alle Fälle fühlt es sich viel effizienter an, Wartezeiten gibts nur noch ganz selten. Automatisierung eben. Dachte ich zuerst. Wobei das ja nicht stimmt, nicht eine Maschine nimmt dem Menschen die Arbeit ab, sondern ein anderer Mensch; die Kundin/der Kunde der Kassiererin/dem Kassierer.

Auch im Einkaufszentrum kann man den kleinen Freuden des Alltags frönen. So wähle ich manchmal beim Checkout-Automaten als Sprache eine andere als Deutsch aus, zum Beispiel Englisch, und sofort macht sich ein Gefühl von Internationalität breit in mir, ein Gefühl der Grenzenlosigkeit, als wäre ich irgendwo, nur nicht hier. Wobei ich das Hier-Sein nicht in Abrede stellen will! Es ist schön, hier zu sein. Jetzt noch im Untergrund, jedoch Minuten später draussen in der angenehmen, da nun wirklich nicht kalten Novemberluft. Diese Luft, die die Frage aufwirft, ob der Winter ein typischer, kalter sein wird oder doch eher nicht, und es wieder so sein wird in der letzen vierten Jahreszeit. Ein kalter, schneereicher Winter, das wünsche ich mir! Das gedankliche Entfliehen in südlichere Gefilde zum Beispiel wäre so um vieles kontrastreicher.

Die Veränderung ist das einzige, was übrig bleibt. Und Mandarinen.

more than enough

Im Laden. Ich habe bereits bezahlt, es geht noch darum meine Einkäufe einzupacken. Hierfür hat man in vielen Läden der grossen Detailhandelskaufhäuser die Wahl zwischen stabilen Papiertüten, und dünnen Plastiksäckchen. Ich erinnere mich an Zeitungsberichte darüber, dass die Plastiksäckchen, die gratis zu beziehen sind, verboten sollen werden. Und an einen erst kürzlich gelesenen Artikel, der besagt hat, dass eigentlich die Papiertaschen ökologisch weniger sinnvoll sind als die Plastiktütchen (wegen des Aufwands; der benötigten Menge an Wasser etc.)! Ich frage mich, wie das in der Prä-Internetzeit war. Damals lasen die meisten Leute eine oder vielleicht zwei Tageszeitungen. Zusätzlich vielleicht noch eine Fachzeitschrift, und vielleicht noch eine Illustrierte. Und was wir uns heute antun mit Lesen! Doch von antun kann ja keine Rede sein, eigentlich. Im Gegenteil; ist Lesen doch so etwas schönes, egal, ob es sich um ein anspruchsvolles Buch handelt oder einen etwas fragwürdigen Artikel aus einem Boulevardblatt. Ein anderer gelesener Text fällt mir auch noch ein, eine Bloggerin hat sich vor ein paar Monaten darüber amüsiert (oder aufgeregt?), dass so viele Menschen die instabilen Plastiktüten vorziehen beim Einkaufen, anstatt läppische 30 Rappen für die Papiervariante auszugeben. Just in dem Moment höre ich ein Geräusch; der Mann, der vor mir war in der Reihe und immer noch daran ist, seine ergatterte Ware mitnahmebereit zu machen, gehört augenscheinlich zum Typ Mensch, der die durchsichtigen Plaktiksäckchen bevorzugt, hat er doch einige solche gefüllt – wobei eines der Säckchen nun gerissen ist! Mandarinen kullern über den Boden.

wir sind alle anders

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Es gibt Kinofilme, die mag ich. Sehr. Manchmal denke ich aber: die meisten andern würden diesen Film nicht mögen.
Es sind spezielle Filme, Filme, die ich speziell mag. Über die schlechte Rezensionen verfasst werden. Manchmal. Manchmal aber auch nicht, manchmal fallen die Rezensionen gut bis sehr gut aus.
Nach dem Lesen dieser Worte taucht sicher unwillkürlich die Frage auf, an was für Filme ich denke.
Bewusst möchte ich keine Titel nennen. Es geht nicht um Namen, einzelne Werke. Eigentlich auch nicht um die Filme. Sondern unter anderem um Vorlieben. Die jede und jeder von uns hat. Die sich auch bei Filmen, Büchern, Musik-Alben etc. pp. zu Worte melden. Vorlieben, die Einfluss nehmen. Ob wir es wollen, oder auch nicht. Aber nicht nur Vorlieben. Es geht auch darum, was wir erlebt haben. Um unsere Geschichte, nicht nur jene des Films. All das, das wir er- und durchlebt haben, prägt uns. Entscheidet mit, wie wir etwas finden. Und macht uns alle einzigartig. Und unsere Geschmäcker. Unsere eigene Geschichte entscheidet mit, was für Geschichten wir mögen.

Das Schöne an E-Books. Oder das Schöne an analogen Büchern.

Casanova's Homecoming and the lights of Malta

Das Schöne an E-Books ist, dass der Inhalt im Vordergrund steht. Jedes Buch wird in derselben Schrift dargestellt (wenn man das denn möchte). Ein längeres Werk hat nicht mehr (physisches) Gewicht als eine Kurzgeschichte.

Man kann das auch umdrehen. Und sagen, jedes analoge Buch hat seine Einzigartigkeit, aufgrund der Kombination aus der Anzahl Seiten und des damit verbundenen Umfangs, des Umschlagbildes, und so weiter. Der Eselsohren, die mit oder ohne Absicht entstehen.

Man kann das sehen, wie man will. So oder so. Beide Sichtweisen sind in Ordnung. Und irgendwie schön.

overload

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Trams und Busse – sie fahren nicht mehr.
Ich merke es, als ich nach dem Arbeiten bei der nahen Bushaltestelle Menschentrauben sehen.
Dasselbe bei der Tramhaltestelle.
Auf der Infoanzeige stehen da, wo normalerweise Ankunftszeiten ersichtlich sind, nur Strichzeichen vor und nach dem Doppelpunkt, verheissungsvoll.
„Verkehrsüberlastung“ steht da als Grund für das Nicht-Fahren.
Das kommt hier in der Hauptstadt selten vor. Kleine Staus gibts zwar immer wieder in der Rush hour, aber verglichen mit anderen Städten sind die hiesigen stehenden  Fahrzeugschlangen normalerweise nicht der Rede wert, und auch schnell wieder aufgelöst.
Es ist ein schöner klarer Abend, die Entscheidung, zu Fuss ins Stadtzentrum zu gehen, fällt daher leicht.
Die Brücke, die über die Aare in die Stadt führt, trägt mehr Leute als sonst.
Ich sehe Gesichter, die ich nur selten sehe.
Einmal bin ich nicht sicher, ob ich diese eine junge Frau wirklich kenne. Und wenn ja, woher.
Dass sie mich kennt, verrät mir schnell das Lächeln auf ihrem Gesicht.
Die Stimmung unter den Wandernden ist trotz fehlenden Transportfahrzeugen nicht gereizt.
Eher im Gegenteil, sogar etwas Ausgelassenheit ist zu spüren.
Kein Wunder: es ist Herbst, es ist sonnig, gerade noch, und nicht allzu kalt.
Und Freitagabend.

Kommentare

bargain

Kurze Info:

Im Moment zumindest ist die Kommentarfunktion bei Beiträgen, die älter als 14 Tage sind, geschlossen.
Vorallem bei alten Beiträgen werden im Moment Spammails angeschwemmt, in einem unschönen Ausmass – und nicht wenige schaffen es durch die Anti-Spamschleuse.
Bei alten Texten wird ja in der Regel sowieso nicht kommentiert.

Schön dargestellt

soldiers
Soldaten der Schweizer Armee

Von Armeen & Co. – davon bin ich wahrlich kein Anhänger.

Einige Fotografien, die auf dem flickr-Stream der U.S. Airforce zu finden sind, mag ich aber sehr. Zum Beispiel diese Aufnahme, oder jene hier. Einfach grandios, oder?
Diese Bilder der amerikanischen Luftwaffe zeigen mir wieder einmal auf, wieviel Einfluss Fotografie haben kann.

Fotografien sind nicht subjektiv. Sie bilden das Motiv so ab, wie es jene/r hinter der Kamera abgebildet haben will.
Sei es im Guten oder im Schlechten.
Natürlich ist vieles gegeben, und gewisse Elemente sind unveränderbar. Dennoch, schon nur mit der Bildkomposition, dem Weglassen von gewissen Elementen et cetera pp. kann die Fotografin, der Fotograf seine Sicht der Dinge festhalten (und einem Publikum zeigen).

Keine neuen Erkenntnisse, ich weiss.
Aber das Betrachten der Airforce-Bilder bringt mich fast in ein Dilemma; einerseits sagt mir die Luftwaffe so ganz und gar nicht zu, andererseits mag ich die Schönheit der (Propaganda-)Bilder – sehr.

Zugfahren

Give Me Power

Nur noch ziemlich selten fahre ich Zug.
Unter der Woche ist es meistens nicht nötig, arbeite und wohne ich doch am selben Ort.
Ein wenig vermisse ich das Zugfahren ja.
Damals als ich noch pendelte (bis circa vor sieben Jahren), habe ich viel mehr gelesen.

Vor sieben Jahren – damals wurden die Züge noch nicht als Stromquelle genutzt. Heute profitiert fast ein jeder von den Steckdosen – in beiden Klassen der Züge.
(Eine Handy-Akkuladung hielt anno dazumal mindestens eine halbe Woche, Laptops waren noch nicht so schlank und leicht wie heute, und nicht sehr verbereitet.)

Das Bild im Innern des Zuges ist heute geprägt durch die – zumeist weissen – Kabel,  die etwas oberhalb der Köpfen der Sitzenden nach unten führen (Detail am Rande: In den SBB-Zügen zwischen Bern und Zürich hat es zwar pro Abteil zwei Steckdosen. Jedoch sind diese so weit oben angebracht, dass die Kabel der meisten Strom-Brauchenden zu kurz sind. Spannend anzusehen sind die kreativen Lösungsversuche, mit denen sich die Reisenden zu helfen wissen.)

Wie es wohl in sieben Jahren, im Jahr 2021, in unseren Zügen aussieht?

Die Sache mit dem Telefonieren in der Stadt

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Neulich sah ich mich gezwungen, in der Stadt zu telefonieren. Zu warten und zuhause zu telefonieren kam in dem Moment nicht in Frage, die Situation wollte in dem Moment geklärt werden.
Eigentlich auch kein Ding, lässt es sich doch heutzutage von (fast) überall her kommunizieren. Doch so ganz einfach war es dann trotzdem nicht.
Kaum ist das Telefonat zustande gekommen, scheint gerade eine neue Stunde zu beginnen. Dies jedenfalls signalisieren ziemlich lautstark Zytglogge und Käfigturm, beides Sehenswürdigkeiten und bei Touristen sehr beliebt, bei mir in dem Moment nicht gerade hoch im Kurs.

Davonhuschend von dem Glockengeläut suche ich ein ruhiges Plätzchen, abseits von der Marktgasse, welche mitten durch die Stadt führt und die Pulszone der Stadt ist. Schnell bin ich in einer der Seitengasse, welche von deutlich weniger Volk bevölkert ist. Aber: hier wird gerade gebaut. Kompressoren dröhnen, und werden im Lärmmachen effektvoll unterstützt von einem Bagger.

Weiter gehts. Von der Seitengasse gelange ich wieder in die Marktgasse – und laufe prompt vor eine Strassenmusikertruppe.

Auch das an sich simple Telefongespräch-führen kann nervenaufreibend sein.