Malmö 1

Flug nach Kopenhagen. Von dort ist die Reststrecke mit dem Zug zu bewältigen. Beim Bahnhof in Kopenhagen sind die Sicherheitsvorkehrungen recht streng, um das Perron betreten zu können, muss dem Sicherheitspersonal der Pass oder die ID gezeigt werden.
Im Zug dann, der über die berühmte Brücke geht (wenn man denn von ‚über‘ sprechen will; die Strecke des Zugs verläuft unter jener, auf der die Autos die Brücke passieren), die Dänemark und Schweden verbindet, ist dann auch wieder ein Vorzeigen des Ausweises erforderlich. Die eindrückliche Brücke habe ich bereits beim Anflug auf Kopenhagen bestaunen können (und auch schon in ‚Die Brücke‘ gesehen).

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Malmö. Man merkt, dass man hier nah am Meer ist. Einerseits wegen dem Wind, und andererseits wegen den Möwen, die hier recht omnipräsent sind. Schön ist es hier, den Wind kann man derzeit gut gebrauchen, ist es doch recht warm (im Gegensatz zu den schweizerischen Gefilden, denen ich entflohen bin). Warm und sonnig, was dazu verleitet, möglichst viel Sonne aufzunehmen und die Wärme zu verinnerlichen. Wer weiss denn schon, wie sich der Sommer, den ich grösstenteils in der Schweiz verbringen werde, entwickeln wird.

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Das Hotel ist toll gelegen im Stadtzentrum. Am Abend scheint auf dem Platz, der unmittelbar neben dem Hotel ist, etwas geschehen. Der Platz ist abgesperrt, und ein Grossaufgebot an Polizistinnen und Polizisten anwesend.
Etwas scheint geschehen zu sein, die angesprochene Polizistin will oder kann keine Auskunft geben. Die Spekulationen gehen von Bombenexplosion über zu einer Person, welche auf dem Platz von der Polizei erschossen wurde.

Am nächsten Tag: Am Meer. Der Wind ist angenehm, die Sicht klar.

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Verschwindendes

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Fribourg, im Februar 2016

Am Bahnhof, auf dem Perron. Vis-à-vis vom Wartehäuschen ist ein ähnliches Häuschen, genauer gesagt, zwei Häuschen, hintereinander. Zu klein für einen Warteraum, und vorallem ohne Sitzmöglichkeit. Einen Moment lang frage ich mich, um was es sich hierbei wohl handelt. Räume für das Bahnhofpersonal? Das macht keinen Sinn, sind doch darin keinerlei Apparaturen, durch welche etwas erledigt werden kann. Dann merke ich: das sind einmal Telefonzellen gewesen. Nur sind die Telefonapparaturen entfernt worden, ebenso die Anschriften auf den Türen, auf einem Kästen in den Zellen steht noch der Schriftzug ‚Swisscom‘. An den Türen sind Schlösser angebracht. Ich frage mich, ob es die Abschliessmöglichkeit früher, als Telefonzellen noch genutzt wurden, auch schon gab. Und wie lange die Zellen noch hier stehen werden.

Als hätte ich die Zeit angehalten

hartes Pflaster

Auf dem Weg zur Arbeit, im Bus, im kalten Winter. Ich stehe, viele andere Mitfahrende auch, einige sitzen. Ich löse meine Armbanduhr vom Handgelenk. Habe ich sie doch ein paar Tage nicht getragen; vorhin habe ich sie aufgezogen, die Uhr läuft nun wieder, nun muss ich nur noch die Zeit einstellen und das Datum justieren. Ich ziehe die Krone hervor, das Uhrwerk bleibt stehen, wie üblich, wenn die Krone nicht eingerastet ist. Ich blicke auf. Der Bus steht still, vor einer Ampel, die Mitmenschen um mich sind stumm, bewegungslos, wie erstarrt. Als wäre die Zeit angehalten worden – als wäre das Stillstehen meiner Uhr der Grund für das Gleich- oder Ab- oder Stillschalten der Menschen um mich herum. Die Zeit ist für einen kurzen Moment eingefroren, so fühlt es sich an. Eingefroren ist auch die Welt ausserhalb des Busses, aber temperaturbedingt.

wenn die Musik spielt

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Beim Essen. In der Hotelbar wird Piano gespielt. New York, New York. Plötzlich, singt der Pianist mit, jedenfalls die Worte aus dem Liedtitel entfliehen seinem Mund. Die Musik ist okay, passend für den Moment. Ich frage mich, warum in Hotelbars immer dieselben Lieder gespielt werden. Doch dieser Gedanke ist sicher ein unfairer. Schon nur deshalb, weil die gespielten Lieder wohl jene sind, die die Leute hören wollen.

Eine Viertelstunde später. In der Tonhalle, ein Kammerorchester spielt Beethoven. Dirigent ist ein Brite mit Jahrgang 34, mit soviel Freude bei der Sache. Jedoch deutlich geschwächter als noch vor zwei Jahren. Die gespielte Musik ist fesselnd, perfekt zum Alles-vergessen, den Alltag, und, so paradox es auch klingen mag, gar auch die Musik. Es muss wohl Entrückung sein.
Nach der Pause. Es wird geklatscht. Ausgiebig. Und dann wird aufgestanden. Die Musik ist vorbei. Manchmal vergeht ja die Zeit schnell, wie im Flug, dass kennt man, das kommt oft vor, idealerweise. Aber dass Zeit auch in Überschallgeschwindigkeit dahinrasen kann, oder so, als wäre sie einfach so geskippt worden (und dennoch fehlt die Erinnerung nach dem Erlebten, Gehörten nicht), das erlebe ich heute zum ersten Mal.

Der Ferrari-Mann und ich

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Bild: Berlin, Sommer 2014

Es ist Ende September, und Sonntag, und der Abend hält langsam aber sicher Einzug. Ich sitze im Bus, heisse Marroni essend. Der Bus hält an, wegen einer roten Ampel. Nicht nur das Ampellicht ist rot, sondern auch der Ferrari, der neben dem Bus hält. Der Fahrer des italienischen Sportwagens (dessen Verdeck trotz eher kühlen Temperaturen offen ist) trägt ebenso wie ich eine Sonnenbrille. Das ist aber so in etwa alles, das wir gemeinsam haben – vermutlich. Der Ferrari-Mann blickt grimmig drein. Ich nicht. Ich bin glücklich, entnehme der Papiertüte in meiner Hand noch eine weitere leckere, heisse Marroni.

Stockholm III

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Es ist neun Uhr abends, und ich bin gerade in der Innenstadt angekommen. Ich habe Hunger, und da die nächste Essbezugsmöglichkeit ein McDonald’s ist, begebe ich mich dorthin. Vor mir wartet ein Mann, auf seine Mahlzeit, vermutlich. Links neben mir ist der Essbereich. Ein Gitter wird heruntergefahren, der Essbereich damit unzugänglich gemacht. Der Mann vor mir zur Kassiererin, auf den nun abgesperrten Bereich hindeutend: „My wife is in there! And my kids!“