Venedig II

Am Morgen  nach der Ankunft in Venedig sehe ich die Wasserstadt das erste Mal tagsüber. Die Sonne meint es gut und lässt die Stadt und die Kanäle in herbstlichem Glanz erstrahlen.

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Die Stimmung ist heiter, kein Wunder bei dem Wetter und den warmen Temperaturen.
Zuerst verirre ich mich gehörig; statt in der Stadtmitte gelange ich an einen der südlichsten Punkte der Stadt. Und habe die Orientierung dermassen verloren, dass ich nicht mehr zurückfinde – auch das Einschalten des Natels und die Hilfe der üblichen Kartendienste helfen nicht viel.
Ich beschliesse, mich einfach treiben zu lassen, irgendwann finde ich dann schon wieder zurück. Und geniesse das „Being lost in Venice“-Gefühl.
Das Positive am sich-verirren in einer fremden Stadt ist, dass man so Bezirke und Dinge sieht, die ein normaler Tourist sonst nicht unbedingt zu Gesicht bekommt. Keine Stadt hat schliesslich nur auf Hochglanz polierte Viertel, und häufig sind die „unbehandelten“ Quartiere die interessantesten. Venedig II weiterlesen

Venedig I

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Die Landung auf dem Marco Polo-Flughafen ist später als geplant. Der Abflug in der Schweiz war etwa eine Stunde später als gedacht, und obschon der Pilot bei der Flugzeit aufgeholt hat – mindestens eine Viertelstunde kürzer als vorgesehen: bei so einer kurzen Strecke kann man nicht viel Zeit mehr gewinnen.
Für mich spielt das keine Rolle – ich habe Ferien und eine Stunde mehr oder weniger, who cares.
Wie auch immer – bei der Landung auf dem italienischen Flughafen war noch etwas Licht vorhanden. Beim Verlassen des Flughafens dann aber schon nicht mehr.
Ich gehe den Weg zu den Vaporettos – Venedigs Wassertaxis. Ebenjene sind die öffentlichen Verkehrsmittel der Lagunenstadt, und viel preiswerter als wenn privat eine Gondel angemietet wird. (Die selbe Situation wie bei uns mit Bussen und Taxis, plus Wasser.)

Viele Mitpassagiere hats nicht auf dem Transportschiff; ein Gruppe gutgelaunter kanadischer Frauen um die Fünfzig aus British Columbia, ein Pärchen aus den Staaten und zwei Venezianer.

Was zuerst auffällt, ist, dass die Vaporettos auf einer Art Wasserstrasse fahren (ehe die Zielstadt erreicht ist). Nämlich immer zwischen zwei Holzpfählen hindurch, welche als Wegmarkierung dienen. Bemerkenswert daran ist, dass diese Pfähle nicht beleuchtet sind, obschon es dunkel ist. Das Licht des Schiffes muss wohl ausreichen – und tut es auch – obwohl: einmal rumpelt es, irgendetwas muss dem Schiff zum Opfer gefallen sein. Venedig I weiterlesen

Die Sache mit dem Telefonieren in der Stadt

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Neulich sah ich mich gezwungen, in der Stadt zu telefonieren. Zu warten und zuhause zu telefonieren kam in dem Moment nicht in Frage, die Situation wollte in dem Moment geklärt werden.
Eigentlich auch kein Ding, lässt es sich doch heutzutage von (fast) überall her kommunizieren. Doch so ganz einfach war es dann trotzdem nicht.
Kaum ist das Telefonat zustande gekommen, scheint gerade eine neue Stunde zu beginnen. Dies jedenfalls signalisieren ziemlich lautstark Zytglogge und Käfigturm, beides Sehenswürdigkeiten und bei Touristen sehr beliebt, bei mir in dem Moment nicht gerade hoch im Kurs.

Davonhuschend von dem Glockengeläut suche ich ein ruhiges Plätzchen, abseits von der Marktgasse, welche mitten durch die Stadt führt und die Pulszone der Stadt ist. Schnell bin ich in einer der Seitengasse, welche von deutlich weniger Volk bevölkert ist. Aber: hier wird gerade gebaut. Kompressoren dröhnen, und werden im Lärmmachen effektvoll unterstützt von einem Bagger.

Weiter gehts. Von der Seitengasse gelange ich wieder in die Marktgasse – und laufe prompt vor eine Strassenmusikertruppe.

Auch das an sich simple Telefongespräch-führen kann nervenaufreibend sein.

Liebe zum Detail

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Details. Sie mögen häufig uninteressant erscheinen. Und sind es vielleicht auch, oft.
Bei Details ist es jedoch wie bei vielem anderem: Man muss sie im richtigen Licht sehen. Im-richtigen-Licht-sehen, das ist natürlich nur im übertragenen Sinne gemeint. Wobei, nicht nur.
Ich meine damit, dass man sich auch den kleinen, unbedeutenden Dingen widmen soll, manchmal. Eben auf Details achten. In diesen nicht etwas sehen, das schon tausendmal vorher gesehen worden ist.
Auf seine Art und Weise ist jedes Detail einzigartig, einmalig. Und betrachtenswert, darüber-nachdenkenswert.
Details, nicht nur anfassbare, machen das Leben erst spannend. Spannend und farbenfroh.

Wechsel

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Ende August.
Der Herbst ist gerade angekommen.
Die Lücke zwischen den beiden Jahreszeiten ist noch nicht gefüllt, die bunten Blätter sind in Planung.
In der Zwischenzeit dienen spektakuläre Himmel und und lautlos im Takt schaukelnde Boote als Blickfang.

Momentum

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Die interessantesten Bilder gelingen oftmals dann, wenn die Kamera eigentlich schon weggeräumt worden ist. Zum Beispiel auf der Rückreise.
Der Deckel auf dem Objektiv ist zum Glück aber schnell wieder entfernt.
Schöne, eindrucksvolle und dramatische Momente gibt es nicht nur während der Ereignissen, welche wir im Kalender eintragen.
Auch dazwischen dreht sich die Erde. Das Leben findet immer statt.

Zwei Monate unterwegs mit dem Lomo Petzval-Objektiv

Vor einer Weile habe ich hier das neue Lomo-Objektiv Lomography X Zenit Petzval 85mm f/2.2 vorgestellt.

In der Zwischenzeit habe ich das Objektiv mehr oder weniger eifrig genutzt. In Bern, Berlin und in der Romandie.
Erstaunlich viele Erfahrungen habe ich mit dem Objektiv gemacht, vorallem auch zwischenmenschliche.

Das goldene Objektiv zieht ziemlich viel Aufmerksamkeit auf sich – sowohl von Passantinnen und Passanten – aber auch von Zollbeamten.
Bei der Reise nach Berlin im Juli wurde ich vom Schweizer Zoll aufgehalten, um dann zu erfahren, dass dem Beamten bei der Sicherheitsschleuse nicht klar war, um was es sich handelt bei dem glänzenden Gegenstand. Ich erklärte, das es ein Kameraobjektiv sei. Worauf er antwortete: „So ein Objektiv habe ich noch nie gesehen“. Ich erklärte, dass es ganz neu ist, und auch noch nicht auf dem Markt erhältlich. Ich könne ihm gerne die Internetseite zeigen auf meinem Natel.
Meine Erklärung reichte aus, das Zeigen der Website war nicht erforderlich.
Bei der Rückreise war das Objektiv an die Kamera geschraubt, und die deutsche Zollbeamtin, die meinen roten Schweizer Pass sah, fragte lachend, ob ich nicht hebräisch sei. Ich wusste nicht genau, ob es an meinem Aussehen lag, dass die Frage gestellt wurde, oder an der sternförmigen Blende des Objektivs – oder an beidem. Zwei Monate unterwegs mit dem Lomo Petzval-Objektiv weiterlesen

Heimat III

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Mit Orten, die man gut kennt oder auch nur häufig besucht, bringt man oft zuerst bestimmte Dinge gedanklich in Verbindung. So ist für mich zum Beispiel der Ort, an welchem ich aufgewachsen bin, untrennbar von der Gondelbahn.
Die roten Gondeln sind Teil des Ortsbildes, würde man sie wegnehmen, würde etwas fehlen. So simpel ist das.
Ob im Winter über weissem prachtvollen Schnee schwebend oder im Sommer über saftig grünem Gras dahingleitend, die „Gondeli“ gehören einfach dazu.

À propos saftig grünes Gras: Obschon die Ortschaft mit den roten Gondeli im grünsten Tal Europas ist, erschien mir das Gras dieses Jahr noch saftiger und grüner als sonst. Auch das mag daran liegen, dass ich nicht mehr so oft im Oberland bin – wahrscheinlich ist es aber nur den endlosen Regenmassen des diesjährigen Sommers geschuldet.