Berlin III

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Es ist Mittwochabend.

Ich sitze vor dem Hotel, geniesse die Abendsonne.
Vor dem Hotel warten einige Taxis auf Kundschaft. Bei allen Wagen handelt es sich um hellelfenbein-farbene Mercedes. Spannend ist es, zuschauen, wie die Taxis frequentiert werden.
Da passiert mindestens eine halbe Stunde lang nichts, dann sind innerhalb einer Minute vier Wagen gefragt. Für ganz kurze Zeit ist die Taxischlange deutlich kürzer, ja fast aufgebraucht – und verdient den Namen „Schlange“ nicht mehr.
Doch es dauert nicht lange, und alle Plätze sind wieder besetzt.
Ein endloser Prozess, der wohl niemals aufhören wird.

Freunde

Diese Woche beim Mittagessen am Tisch nebenan wurde folgendes gesagt:
„Ein paar wenige gute Freunde sind wertvoller als viele ’schlechte‘ Freunde.“

Ja, aber:

Ein paar wenige gute Freunde mögen zwar wertvoller als viele „schlechte“ Freunde sein – viele gute Freunde sind aber auch nicht zu verachten.

Oder?

Und, ja: mit dieser Formel lassen sich noch viele andere, mehr oder weniger gut klingende „Weisheiten“ kreieren.

Bahnhöfe verstehen

Unbenannt

Ein Mädchen drückt auf die rot leuchtende Taste neben der Zugstür, damit die Mutter und es noch in letzter Minute einsteigen können. Die Tür des Zuges ist zu weit oben – oder das Perron zu weit unten – um dem Mädchen einen angenehmen Einstieg zu ermöglichen. Dennoch gelingt es Mutter und Kind, ins Zugsinnere zu gelangen. Der Zug fährt ab.

~

Ich mag Bahnhöfe.
Winzige Bahnhöfe, aber auch grosse. Auf dem Land, aber auch in der Grossstadt.
Ich mag Bahnhöfe, wenn sie durchflutet sind von Menschenmengen, aber auch, wenn sie leer und verlassen sind.
Das Warten auf den Zug macht mir nichts aus, es gibt immer viel zu entdecken. Einzigartige Situationen oder Gespräche, die entstehen.
Wunderschöne Lichteinfälle, sei es am Morgen, am Mittag oder am Abend. Oder am Nachmittag. Oder irgendwann zwischen Morgen und Mittag.
Die Wartehäuschen, oftmals wunderhübsch in ihrer Hässlichkeit.
Die Zeit, die an nicht mehr ganz neuen Bahnhöfen nagt.
Das beklemmende Gefühl, wenn der Zug einfährt. Oder wenn ein Güterzug ohne zu stoppen mit unglaublicher Geschwindigkeit den Bahnhof durchfährt.

Bahnhöfe sind etwas unvergleichbares.

genug

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Eine ältere Frau spricht im Bus eine andere, wohl etwas jüngere Frau an. Grund des Ansprechens ist die Station, an welcher die Frau raus muss.
Die ältere Frau verrät, dass sie nämlich nicht mehr lesen könne, da ihre Sehkraft so stark zurückgegangen ist.
Die Andere fragt, ob denn da nicht eine Brille abhilfe schaffen könne, denn: „Man muss doch lesen können!“

Die Antwort darauf: „Ich habe genug gelesen.“

Zweihundert und ein Tier reisen nach Afrika

Eine Zugfahrt, die ist lustig

Zweihundert und ein Tier wollen nach Afrika. Mithilfe von Motorbooten machen sie sich auf den Weg dorthin.
Da es ihnen in Afrika nicht gefällt, kehren sie mit den Motorbooten wieder zurück in die Schweiz.

Das ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der mit seiner Mutter ein Abteil weiter vorne im Zug sitzt.

Die Mutter ist nicht vollends überzeugt ab der Realität der Geschichte. Und sie meint, die Tiere seien dumm; zuerst nach Afrika gehen, und dann wieder zurück. Und überhaupt, Motorboote, das sei doch nicht realistisch!

So wird die Geschichte vom Jungen immer weiter ausgeschmückt, in der etwa vierten Version haben die Kühe (jetzt ist bloss noch von Kühen die Rede) auch noch Harleys mit dabei in den Motorbooten während der Überquerung des Meeres. Später kommen gar noch Panzer in der Geschichte vor.

Wir, die Mitreisenden, sind bestens unterhalten.

Eine Zugfahrt, die kann tatsächlich lustig sein.