Die Strassenfotografie und der Respekt

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Strassenfotografie (auf neudeutsch street photography) ist dieser Tage besonders hip.

Im Netz findet man zuhauf Bilder von sogenannten Strassenfotografinnen und -fotografen. Überall, auch im deutschsprachigen Raum haben Fotografierende die Strasse für sich entdeckt, sind Kameras doch zu günstigen Preisen erhältlich, und fast ein jeder ist mit einer Handykamera ausgestattet.

Immer wieder begegne ich der Aussage:

Echte Strassenfotografie beinhaltet nur ungestellte Sujets.

Diesem Satz stimme ich durchaus zu.

Aber ich habe Mühe mit Menschen, die jene Aussage ausnützen und damit rechtfertigen, alles und jede_n in jeder Situation zu fotografieren ohne um Erlaubnis zu fragen – auch im Nachhinein nicht. Auch in der Strassenfotografie gibt es meiner Meinung nach Grenzen und pietätlos aufzutreten ist hier leider besonders einfach.

Sogar im kleinen Bern ist die Strassenfotografie mittlerweile angekommen, und ich bin auch schon (mindestens) einmal (ungefragt) fotografiert worden. Ich habe dann den Fotografen gefragt, ob er mich fotografiert habe. Der Angesprochene hat irgendwie erwischt gewirkt und die Frage mit einem „Nein“ beantwortet. Ich bin dann weitergegangen, eine andere Option gab es für mich in dem Moment nicht wirklich.

Was ich mir wünsche bei der Strassenfotografie, ist, dass vor dem Auslösen manchmal folgende Überlegung gemacht würde:

Wie wäre es, wenn die Rollen vertauscht wären, und ich anstelle des Fotografen die Sujetperson wäre? Würde es mir etwas ausmachen, in dem Moment ungefragt fotografiert zu werden? Hätte ich Mühe damit, mein Foto später im Internet oder sonstwo zu finden?

Ich denke, solche Überlegungen können dazu führen, dass die Strassenfotografie etwas respektvoller, weniger penetrant angewandt wird.

Ein kurzer Zwischenfall

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12. November, Kiew.

Vor der Passkontrolle im Flughafen Boryspil.

Jemand, der die Passkontrolle scheinbar erfolgreich durchqueren konnte, hat eine Tasche vor dem Kontrollschalter liegengelassen. Die Tür des Schalterhäuschens öffnet sich, die darin befindliche uniformierte Dame, die die Tasche auch entdeckt hat, entfernt sich dezidierten Schrittes.

Nach einigen wenigen Minuten erscheint jemand auf der anderen Seite des Kontrollhäuschens, greift über die Absperrung nach der Tasche – offensichtlich der Besitzer ebenjenes Gepäckstückes.

Die uniformierte Frau kommt zurück, sieht, dass die Tasche weg ist.

Der Normalbetrieb geht weiter.

Kiew

Vier Tage in Kiew sind wie im Flug vergangen. Die Eindrücke sind vielfältig, zum allergrössten Teil positiver Natur.

Was mich immer wieder beeindruckt, ist die Herzlichkeit der Leute in diesen Gefilden, obschon das Leben hier sicherlich nicht einfach ist. Man wird zuvorkommend behandelt, sei es in der Stadt oder aber auch im Hotel.
Jenes weiss durchaus zu überzeugen, schon nur die Lobby ist mehr als einen Blick wert.
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Das Zimmer gefällt, und so auch die Aussicht vom obersten Stockwerk:
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Aber auch die Stadt an sich ist faszinierend, äusserst facettenreich.IMG_8283 Kiew weiterlesen

Erste oder zweite Klasse?

Voralpen-Express

Um ein Billett zu lösen, benötigte ich neulich Hilfe einer Bahnangestellten.
Am nächsten Tage gedachte ich nach Aarau zu fahren, und am Abend von Aarau nach Zürich.
Die Angestellte half mir das entsprechende Billett zu lösen (im Nachhinein eigentlich keine Hexerei).

Die Angestellte tippte für mich die jeweils richtige Option auf dem Touchscreen des Billettautomaten an. Als es darum ging, ob ich mit der ersten oder zweiten Klasse reisen würde, war ich gespannt, wie sie agieren würde.
Tatsächlich zögerte die Helferin kurz, und wählte 2. Klasse, jedoch nicht ohne vorhin mich anzusehen, ob das in meinem Sinne sei. Ich widersprach nicht.

Das kurze Zögern war interessant. Ich bin sicher, vor zwei oder drei Jahren wäre ich eindeutig als Zweite-Klasse-Fahrer eingestuft worden.

Für mich war das ein Zeichen, dass ich (a) nicht jünger werde und/oder (b) meine Kleidung/mein Verhalten oder meine Erscheinung mich nicht eindeutig als Erst- oder Zweitklassfahrer einstufen lassen.

Spannend.