„Früher haben wir noch miteinander geredet!“

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Wir alle hören es immer wieder: Dass das ewige auf den Bildschirm-des-Smartphones-Glotzen vereinsamt und dumm macht.
Es gibt auf Facebook kursierende Youtube-Videos, die neue Technologien verteufeln – was an sich ziemlich absurd ist, da sie zur Verbreitung der Botschaft jene Plattformen nutzen, die verteufelt werden.
Wenn ich solche Aussagen höre oder Videos wie das genannte sehe, mag ich gar nicht mehr gross darüber diskutieren. Leute, die solche Äusserungen machen oder solche Inhalte verbereiten, ob alt oder jung, sind meistens unbelehrbar und wollen nichts anderes hören.
Dennoch, „fürs Protokoll“, meine 5-Cents dazu:

„Früher war alles besser“

Nein! Einiges mag besser gewesen sein, anderes ist heute besser (- wenn man denn unbedingt vergleichen muss). Vorallem ist heute alles (vieles) anders. Und das ist gut so. Vom Alter her werde ich wohl den Digital Natives zugeteilt, dennoch habe ich noch das Prä-Smartphone-Zeitalter miterlebt.
Damals sassen die Leute noch ohne ihre gescheiten digitalen Begleiter im Zug (in welchem noch geraucht werden durfte). Dennoch: man sass für sich, wenn mal alleine war, jede/r vorzugsweise in seinem eigenen Abteil. Anstelle auf einem Bildschirm umherzuwischen wurde gelesen, ein Buch, der Blick oder was auch immer. Oder es wurde Musik gehört.
Und heute sieht es doch gar nicht sooo viel anders aus. „Früher haben wir noch miteinander geredet!“ weiterlesen

(un)auffällige Leica

Seit drei Jahren bin ich nun schon im Besitze einer Leica M6.
Den Kauf der Kamera, welche vermutlich nicht viel jünger als ich ist, wenn denn überhaupt, habe ich nie bereut.

Dadurch, dass alles manuell eingestellt werden muss, habe ich viel über die Fotografie gelernt, und ich habe Gefallen an der Gattung der Messsucherkamera gefunden. Die Haptik der M6 ist einzigartig, und die Kompaktheit der Kamera und vorallem jene der auch M-Objektive weiss ich sehr zu schätzen.

Man kann viel lesen über die Kameras aus dem nördlichen Nachbarstaat. Unter anderem auch, dass eine Leica äusserst diskret sei aufgrund ihres unauffälligen Äusseren und des kaum hörbaren Verschlussgeräusches. Leise sind die M-Kameras zweifelsohne, und unauffällig mögen sie auch einmal gewesen sein. Doch meiner Erfahrung nach ist die Sache mit der Unauffälligkeit vorbei.

Wenn ich mit meiner M6 fotografiere, so werde ich ausserordentlich häufig auf die Kamera angesprochen. Heute geschah dies gar zwei Mal. Von vielen wird die Kamera als Leica erkannt, oder das altehrwürdige Erscheinungsbild der M weiss zu erstaunen und oder zu gefallen in der heutigen Welt, in der das Digitale das Analoge schon ziemlich verdrängt hat.

Ich finde das Angesprochen-werden meistens toll; entstehen so doch oftmals spannende Dialoge mit Kameraliebhabern. Doch die Diskretheit kann eine Leica-Kamera – egal ob digital oder analog – nur noch bedingt für sich beanspruchen, finde ich.