Seifäblaterä

Seifenblasen sehe ich, leuchtende Seifenblasen.
Es ist Samstagnachmittag, es regnet, der Tag ist grau. Bis die gelben auffälligen Seifenblasen aufgetaucht sind. Und die sich dann als die Scheinwerfer des ankommenden Trams, genauer gesagt als deren Spiegelung auf der Glasscheibe des geschützten Unterstands bei der Haltestelle, an der ich warte, entpuppen.

vom Sein in der Stadt

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Abend. Es ist schon dunkel. Im Bus, es geht Richtung Bahnhof. Ich sitze hinter der Fahrerkabine, die Sicht nach vorne ist daher versperrt.
Links, durchs Fenster hinaus sehe ich einen teuer aussehenden BMW, zwei Personen sind darin, Mann und Frau, beide sitzen vorne. Gut verpackt in dicken Jacken, passend zum kalten, und regnerischen Wetter, das da draussen vorherrscht.
Etwas weiter vorne, auch links, an der ehemaligen Fleisch-Fabrik angebracht, ist ein Plakat. Etwas von Volk und glücklich steht da geschrieben. Und von Jesus und Gott. An den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht. Es ist eins dieser Bibel-Werbe-Plakaten, in gelb und blau gehalten. Den Farben der Ukraine. Ob ich den letzten Satz vor zwei Jahren auch schon geschrieben hätte? Wusste ich damals überhaupt, wie das Wappen der Ukraine aussieht? – Wohl eher nicht, muss ich zugeben.
Aus den Lautsprechern der Fahrerkabine tönt „One night in Bangkok“, das Original, von Murray Head. Älter als ich ist das Lied, aber zeitlos. Zeitlos, unsterblich. Lieder können so sein, wir Menschen nicht. Jedenfalls nicht unsere Physis.
So vieles, das wahrgenommen werden kann in der Stadt. Wenn man will, (und auch, wenn nicht). Man kann es in beschränkter Form steuern, das mit dem Wahrnehmen. Man kann sich von der Welt abkapseln, Ohrstöpsel einsetzen, oder Kopfhörer überstülpen, sich voll und ganz der Zeitung, dem Natel, oder einem Buch widmen. Oder aber man kann die Welt oder zumindest das Geschehen um einen herum in sich aufnehmen, ja gar aufsaugen. Sich darüber freuen, oder ärgern, daraus lernen. Das In-der-Stadt-sein ist immer wieder ein Erlebnis. Auch wenn man nur vorhat, alltägliches zu erledigen. Sei es wegen Gesehenem, oder auch wenn man selber in etwas eingebunden wird. Etwa ein unerwarteter Dialog, ein Angelächelt-werden, ein unvorgesehenes Ereignis – die Spannbreite der Möglichkeiten ist so unendlich gross. Die Stadt weiss immer wieder zu überraschen.

Wohltuender Stillstand

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Am Morgen auf dem Weg zur Arbeit sein, im Tram, welches häufiger stillsteht als fährt. Und man sich entscheiden muss, ob man das häufige Stillstehen ärgerlich findet oder ob daran gar Gefallen gefunden werden kann.
Jemand weiter hinten im Tram hat sich definitiv für erstere Variante entschieden; die Person stampft mit dem Boden fest auf den Boden, sodass man es im ganzen Tram hört – und auch draussen.
Vielleicht ist es die ältere Frau, welche ab und zu am Morgen unterwegs ist mit dem Tram, und wenn jenes eben mal nicht weiterfahren kann – was natürlich vorkommen kann, welches die belebte Innenstadt durchquert wird – so stampft die Frau energisch auf den Boden. Die Leute, die diese Angewohnheit nicht kennen, blicken dann immer verwundert zu ihr – zu ihr, die den normalen Alltagstrott von vielen durchbricht; zu ihr, die Leute aus der Routine bringt, von den Smartphones aufblicken lässt, von den Gratiszeitungen, ungewollt, ja, vermutlich nimmt sie dies alles gar nicht wahr. Nur, dass das auf Schienen befindliche Beförderungsmittel angehalten hat.
Wenn ich mich entscheide, zur Abwechslung bei der vorletzten Station auszusteigen und über die Brücke zu gehen, so höre ich manchmal aus einem vorüberfahrenden roten Tram das wohlbekannte Stampfen.

~

Stillstehen, nicht im Sinne von Stagnieren oder als etwas dauerhaftes – das kann etwas Schönes sein. Man kann innehalten, wahrnehmen. Auch bei Orten, die man schon kennt, oder gerade bei solchen Orten kann das sehr spannend sein, aufschlussreich oder beruhigend. Und gerade im Winter im warmen, gerade nicht fahrenden Tram zu sitzen und nach draussen blicken ist etwas angenehmes, man nimmt dasjenige, das da draussen ist anders wahr, als wenn man dort bloss vorbeigeht, eventuell gar noch in Eile, oder im Gespräch mit jemandem.  Hinaussehen durch das Fenster, den Menschen zusehen, die meisten sind einem unbekannt, manchmal jedoch sieht man ein vertrautes Gesicht. Der belebten Stadt einmal zusehen, als Unbeteiligter, als Beobachter.
Dafür muss man natürlich nicht im Tram sitzen, man kann auch draussen sein. Zum Beispiel beim Fotografien ist es zuweilen oder doch eher meistens erforderlich, dass man innehält, anhält. Auch darum mag ich es sehr, das Fotografieren.

Lärm und Luxus

the world is rushing by

Vom Land her kommend, war der Lärm der Stadt für mich etwas neues.
Ich mag ihn, mittlerweile, seit einer Weile – die Lebendigkeit, die er versprüht, die ihn verursacht. Ich mag es, mich darin zu befinden, Teil davon zu sein.
Oder auch einfach ihn zu spüren, zu hören, zu fühlen.
Aber auch das Ausblenden des Lärms, ihn zu verbannen. Zum Beispiel, indem ich das Balkonfenster schliesse, und schlagartig ist es ruhig.
Das mag ich. Die Möglichkeit, den Lärm auszublenden. Zu entscheiden; den Lärm zu geniessen, oder ihn nicht hören und spüren zu müssen.
Auswählen zu können. Das ist Luxus.

Die Sache mit dem Telefonieren in der Stadt

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Neulich sah ich mich gezwungen, in der Stadt zu telefonieren. Zu warten und zuhause zu telefonieren kam in dem Moment nicht in Frage, die Situation wollte in dem Moment geklärt werden.
Eigentlich auch kein Ding, lässt es sich doch heutzutage von (fast) überall her kommunizieren. Doch so ganz einfach war es dann trotzdem nicht.
Kaum ist das Telefonat zustande gekommen, scheint gerade eine neue Stunde zu beginnen. Dies jedenfalls signalisieren ziemlich lautstark Zytglogge und Käfigturm, beides Sehenswürdigkeiten und bei Touristen sehr beliebt, bei mir in dem Moment nicht gerade hoch im Kurs.

Davonhuschend von dem Glockengeläut suche ich ein ruhiges Plätzchen, abseits von der Marktgasse, welche mitten durch die Stadt führt und die Pulszone der Stadt ist. Schnell bin ich in einer der Seitengasse, welche von deutlich weniger Volk bevölkert ist. Aber: hier wird gerade gebaut. Kompressoren dröhnen, und werden im Lärmmachen effektvoll unterstützt von einem Bagger.

Weiter gehts. Von der Seitengasse gelange ich wieder in die Marktgasse – und laufe prompt vor eine Strassenmusikertruppe.

Auch das an sich simple Telefongespräch-führen kann nervenaufreibend sein.

Berlin IV

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Die Warschauer Strasse – auch ein interessanter Teil Berlins. Nicht besonders schmuck, aber dennoch mit einem Charme ausgestattet, welcher schwer mit Worten zu beschreiben ist.
Als ich ankomme, finde ich ein unglaubliches Gewusel vor.
So viele Leute, die unterwegs sind. Trotz der Menschenmenge ist es ruhig hier.

Mehr Worte will ich nicht verlieren, und lasse die Bilder für sich sprechen.
Durch anklicken erscheinen die Fotos gross auf flickr.

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genug

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Eine ältere Frau spricht im Bus eine andere, wohl etwas jüngere Frau an. Grund des Ansprechens ist die Station, an welcher die Frau raus muss.
Die ältere Frau verrät, dass sie nämlich nicht mehr lesen könne, da ihre Sehkraft so stark zurückgegangen ist.
Die Andere fragt, ob denn da nicht eine Brille abhilfe schaffen könne, denn: „Man muss doch lesen können!“

Die Antwort darauf: „Ich habe genug gelesen.“