Heimat II

Bächlein
Im Wald.

Ich höre ein Geräusch, das ich zwar kenne, aber nicht einordnen kann. Ich merke, dass es sich um das Rauschen des kleinen unscheinbaren Bächleins handelt, welches ab und zu meinen Weg kreuzt, und so schmal ist, dass man es mancherorts gar nicht sieht zwischen dem Gras und den Pflanzen.
Ohne Frage: ich war wirklich lange nicht mehr hier.

Heimat I

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Freitag Abend.

Nach langer Zeit reise ich wieder ins Oberland, dorthin, wo ich aufgewachsen bin.
Die SBB-Seite verrät, dass um achtzehn Uhr der Zug ziemlich voll sein wird.
Also beschliesse ich, etwas länger im Büro zu bleiben, und eine halbe Stunde später zu reisen.
Ein guter Entschluss, es hat genügend Platz im Zug, und es die Stimmung ist angenehm.

Einzig der Kerl, der direkt vor mir sitzt nervt mich etwas – er schreibt auf seinem Natel, mit lauten Tastentönen. Tastentöne – ich kann nicht begreifen, warum man diese eingeschaltet hat. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich zu heikel bin, dass mich so etwas, eigentlich eine Lappalie, stört.

Ich überlege, ob ich mich irgendwie beschäftigen soll während der Zugfahrt, die nicht ganz eineinhalb Stunden dauert. Ich sehe davon ab, es ist ein schöner Tag, und die Aussicht zu bewundern reicht vollends aus – und ich geniesse sie. Anders als früher, als ich noch pendelte und die Strecke täglich zweimal zurücklegte.
Überhaupt ist die Wahrnehmung dieser mir schon so lange bekannten Landschaft eine gänzlich andere als füher – die Berge scheinen höher und imposanter, das Tal unglaublich grün.
Aber so ist das wohl, wenn man Distanz zu etwas gewinnt.

Nach etwa einer Stunde Fahrt nimmt eine Mitreisende ein Gespräch auf dem Natel entgegen – und begibt sich in das Zwischenabteil, um das Gespräch dort zu führen. Das imponiert mir irgendwie – ist es doch irgendwie unter anderem ein schönes Zeichen von Respekt gegenüber den Mitmenschen.

Das Ankommen in der Heimat – dies geschieht nicht erst bei der Ankunft im Bahnhof.
Schon im Zug kommt ein „heimeliges“ Gefühl auf, als ich den melodischen, einzigartigen Dialekt bei vielen der Mitreisenden höre.

Vorbiudsfunktion

Bim Fuessgängerstreife vorem Bahnhof.

Es isch sächsi, d Ferie si verbii, entsprächend viu Lüt warte druf das d Ample grüen wird.

Zwöi Type stöö näb mir, beidi hei äuä scho gnue trunke.
Der eint faat afa loufe, woner ungfähr ir Mitti vor Strass aacho isch, seit dä wo no nid losglofe isch lut, dases dr anger ja o ghört: „I blibe aube staah bises grüen isch, weisch, wäg de Ching! Nid das die när o zfrüeh losloufe, u när – päng – vomne Laschtwage übercharet wärde!“

Där anger, dr ungedudiger, brucht äs paar Sekunde biser begriift was si Kolleg gseit het – mittlerwile ischs grüen worde und d Strass vo de Fuessgänger bevöukeret – und faat afa lache und antwortet: „Gsesch du hie öppe Ching? Du bisch hie dr chlinscht!“ – Dä mite guete Absichte, wo tatsächlech nid vo gröschter Statur isch, isch iz drann mit dänke und überprüeft, ob de nid gliich irgendwo Chind ume sii, und seit när: „Stimmt!“

Bildermeer

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21. Juli 2014

Beim Schreiben dieses Textes sitze ich in einem Restaurant, ganz nah am Brandenburger Tor.
So viele Fotos werden hier gemacht. Mit Handys, mit Fotoapparaten, mit Tablets. Rein vom Brandenburger Tor selber, aber oftmals auch mit Touristen im Vordergrund.

Ich frage mich, auf wievelen Fotos das Brandenburger Tor wohl zu sehen ist, und wieviele Fotos wohl weltweit pro Sekunde gemacht werden.
Und wieviele Milliarden Bilder insgesamt gemacht worden sind von uns Menschen.
(Und wieviele Menschen sich schon dieselben Gedanken gemacht haben.)

Und wieviele Bilder wohl noch gemacht werden.
Und ob das Foto einmal ausgestorben/veraltet sein wird.
Oder ob die Menschheit es schafft, dass es gar nicht soweit kommen muss, dass sich die Frage der vorigen Zeile stellen wird…

Kalifornier in Bern

Venice Beach
Bild: Venice Beach, 2010

Schon oft habe ich mich gefragt, wie ich meine Wahlheimatstadt, Bern, wahrnehmen würde, wenn ich ein Tourist wäre, in einem anderen Land wohnen und Bern besichtigen würde.
Natürlich werde ich nie erfahren, wie meine Wahrnehmung, meine Eindrücke in einem solchen Fall sein würden.

Dafür aber hatte ich neulich wieder einmal die Möglichkeit, zu erfahren, wie Touristen „meine“ Stadt sehen.

Ich bin nämlich einem älteren Ehepaar aus Kalifornien begegnet, welches das Naturhistorische Museum gesucht hat. Dabei entstand ein Gespräch, in welchem ich erfahren durfte, wie das Paar Bern erlebt:
Das Wetter: in Kalifornien sei es doch recht heisser, und über 330 Sonnentage hätten sie! Ich erklärte, dass es hier im Sommer normalerweise auch schöner und wärmer sei – der aktuelle Sommer sei aber leider schon von sehr viel Niederschlag geprägt.
Sehr sehr sauber sei es hier. Besonders gestaunt hätten sie, als sie auf der Strasse einen Mann gesehen haben, der auf der Strasse mit einer Greifzange Müll aufgesammelt habe – in Amerika würden die Strassen mit Reinigungswagen sauber gehalten.
Generell gefalle es ihnen hier sehr – nur diese Raucher überall! Das sei schon störend. Und,wie man es von Amerikanern vielleicht erwarten mag, wurde erklärt, dass man in Amerika schon weitgehend erkannt habe, dass Rauchen schädlich sei. Meine, vielleicht etwas lapidare, Antwort war, dass es in anderen Ländern doch extremer sei. Viele andere zusätzliche Antworten lagen mir auf der Zunge – Amerika und Gesundheit … –  da liesse sich doch einiges sagen, doch manchmal ist Schweigen Gold.

Das Paar zuckelte dann davon, mit der schliessenden Bemerkung, dass die Museen hier ein bisschen länger geöffnet sein dürften. Dennoch, sie waren zufrieden.
Ich auch. Ich bin gerne hier.

Erster August

1. August. Heute ist der Nationalfeiertag hierzulande.
Feuerwerk kann schon Wochen vorher gekauft werden, die grossen Warenhäuser in der Stadt stellen hierfür gar Jahr für Jahr eigens für diesen Zweck Stände auf, behängt mit unzähligen Schweizer Flaggen.

Den einzigen Knall an diesem Tag höre ich, als ich im unterirdischen Teil des Bahnhofes an der Kasse meine Verpflegung zahle – irgendein intelligentes Wesen hat in den Gängen hier unten einen Knallkörper oder eine Rakete gezündet.

Einige Stunden später, auf der Fromatt angekommen, ist geplant, eine Wanderung zu machen. Ziel ist der Seebergsee. Das Wetter ist sehr wankelmütig und wechselt fast im Minutentakt, zwischen Sonnenschein und Regenschauer.

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Die Lichtsituationen sind einzigartig, und freuen mich besonders, macht das Fotografieren so doch besonderen Spass.

Bis zum Fromattgrat gelangen wir, wo wir gastfreundlich begrüsst und auch verpflegt werden. Ich werde eingeladen, den Stall zu besichtigen. Erster August weiterlesen