Venedig IV

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In Venedig kann man das: Mitten in den Menschenmassen stecken, welche nah am Wasser die Brücken überqueren wollen. Dann fünf Schritte nach rechts oder links machen, je nachdem, und man ist raus aus dem Gedränge.
Und man kann nach ein paar weiteren Schritten am Wasser sitzen, welches kleine Wellen schlägt, auch wegen der Boote, die da vorbeifahren. Und Leute ein- und ausladen.

Jede der Wellen ist einzigartig. Besonders schön sind sie alle, im September-Abend-Herbstlicht.
Die grossen Kreuzfahrtschiffe, mit welchen man Venedig auch in Verbindung bringt: sie bleiben aus.
Das einzige Schiff, das auffällt, ist eine protzige, verlassen wirkende Yacht, welche einen nicht-protzigen Frauennamen trägt. Wobei: gibt es überhaupt protzige Namen?

***

Als ich aus Venedig abreise, ist es Freitag. Mein Vaporetto fährt circa sechs Minuten vor sieben. Da meine Kreditkarte im Moment nur mit Unterschrift funktioniert, kann ich beim Ticketautomaten keine Fahrkarte lösen. Nun denn. Das inzwischen angekommene Transportboot fährt ohne mich dabei. Geduldig warte ich, bis das kleine Schalterhäuschen öffnet.
Eine Beamtin ist schon darin. Trotz der Store, die noch unten ist, ist erkennbar, dass die Frau gewissenhaft alles in Ordnung bringt im Häuschen, die nötigen Vorbereitungen trifft, um gewappnet zu sein gegenüber der Kundschaft.
Den Koffer neben mir, warte ich geduldig.
Eine Kirchenglocke läutet zur vollen Stunde. Fünf Sekunden später ist die Store oben.
Mit einem Teil meiner restlichen Euros wird ein Ticket gelöst.

***

Noch zwanzig Minuten, verrät mir der Fahrplan, und das nächste Vaporetto fährt zum Flughafen.
Ich gehe mit meinem Gepäck zum entsprechenden Wartehäuschen.

***

Die zwanzig Minuten gehen vorbei, und ein Schiff kommt. Aus einer Ahnung heraus frage ich jemanden, der einheimisch aussieht, ob dieses Schiff auch wirklich zum Flughafen gelangt. Nein, erhalte ich als Antwort. Und sehe, dass ich tatsächlich falsch bin hier. Das richtige Schiff legt nebenan an, und erreicht die Station in dem Moment. Glück gehabt, durch das Betreten des falschen Schiffes hätte ich nämlich ziemlich sicher den Flug verpasst.
Das neu angekommene Schiff wird betreten, und es geht los.
Tagsüber die Vaporetto-Fahrt zwischen Venedig und Festland zu erleben, ist völlig anders als in der Nacht.
Die vermuteten Seestrassen gibt es tatsächlich, inklusive Rechtsverkehr. Viel befahren ist die Strasse nicht.
Das Vaporetto schlägt eine Schneise ins Wasser, als wäre es eine Schneeräummaschine und das kühle Nass frischer Tiefschnee.

***

Schon bald sehe ich doch noch ein Kreuzfahrtschiff. Jenes visiert Venedig an, und ist riesig. Ganz oben stehen an der Reling in einer Reihe Leute, sie sehen winzig aus, nur ihre Silhouetten sind erkennbar. Ich frage mich, wie lange ihr Venedig-Aufenthalt sein wird: ein paar Stunden?

***

Nach über einer Stunde bin ich wieder auf dem Festland. Und nicht viel später beim Marco Polo-Flughafen.
Auf der Rolltreppe ist ein amerikanisches Olympia-Baseball-Team.

Beim Gepäcke-Einchecken ist eine lange Reihe. Ich stelle mich hinten an. Viel Zeit habe ich nicht mehr. Aber das macht nichts. Es hat noch immer gereicht.

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