nah am Wasser

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Samstagabend.

Die Hauptstadt bereitet sich vor auf ein mögliches Hochwasser.
Aufgrund des vielen Regens in der letzten Zeit sind die Seen voll, die Abflussmenge aus dem Thunersee muss erhöht werden.
Als ich unten ankomme bei der Aare, könnte man meinen, etwas sei passiert. Überall Polizistinnen und Polizisten – bei Kreuzungen stehend, aber auch unterwegs in Polizei- und Zivilwagen.
Auf den Strassen, welche direkt an der Aare sind, liegen riesige orange röhrenförmige mit Wasser gefüllte Gebilde (mit Wasser gefüllt; so stehts es zumindest später im Internet auf einem News-Portal), die aussehen wie zu gross geratenes aufblasbares Pool- oder Badi-Equipment. Doch die Existenz der orangenen Undinger ist ein ungleich ernsterer. Soll doch damit wohl verhindert werden, dass die Wassermassen die Strassen überfluten.

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Während meines Spaziergangs durch die Stadt regnet es nur ab und zu. Im Mattequartier begegnet mir ein Mann in einer roten Regenjacke, der etwas von „Arschlöchern“ vor sich her murmelt. Ich frage mich, ob er damit mich meint, und alle anderen, die mit einer Kamera unterwegs sind. Und nichts besseres zu tun haben, als die wasserreiche Aare und das Geschehen daneben festhalten. Vielleicht aber ist das „Arschlöcher“ an eine ganz andere Gruppe von Menschen gerichtet.

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Das Mattequartier ist in der Vergangenheit schon oft heimgesucht worden von der Wassermassen. Ein Schild an einem Haus, etwa in Augenhöhe, erinnert an den Wasserstand vom 22. August 2005.
Damals wohnte ich noch nicht in Bern. Im darauf folgenden September habe ich in Bern angefangen zu arbeiten. Das Hochwasser von damals habe ich nicht „live“ miterlebt. Ich frage mich, wie’s 2005 hier unten aussah – ich habe mich damals nur im oberen Teil der Stadt bewegt, welcher – höhenmeter-mässig zumindest – weit weg ist vom Fluss.
Die alteingessenen Bernerinner und Berner erzählen heute noch von dem Hochwasser von annodazumal. Ich erinnere mich bloss noch ganz ganz schwach an Berichte aus Radio und Fernsehen.

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Bei der Untertorbrücke, in den Lauben, vom Regen verschont, stehen zwei Polizisten. Ich grüsse, es wird zurückgegrüsst. Personen aus dem öffentlichen Dienst grüsst man hier schliesslich. Wenn man jedoch fremde Mitmenschen grüsst in der Stadt, wird man merkwürdig angeguckt.

Beim Nydeggstalden, der nach oben führt und einer meiner Lieblingsorte ist in Bern, stehen zwei Polizeiwagen. Die beiden Wagen verleihen dem Stalden etwas surreales.

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Bei einem Wagen, der etwas weiter oben parkiert ist, brennen die Lichter. Es gibt zwei Arten von parkierten Wagen mit brennendem Licht; jene, bei denen das Scheinwerfer-ausmachen vergessen wurde, und jene, in welchen noch jemand sitzt und wartet. Als ich neben dem Wagen vorbeigehe, merke ich, dass es sich um zweitere Kategorie handelt.

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Ein Gedanke zu „nah am Wasser“

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