„Früher haben wir noch miteinander geredet!“

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Wir alle hören es immer wieder: Dass das ewige auf den Bildschirm-des-Smartphones-Glotzen vereinsamt und dumm macht.
Es gibt auf Facebook kursierende Youtube-Videos, die neue Technologien verteufeln – was an sich ziemlich absurd ist, da sie zur Verbreitung der Botschaft jene Plattformen nutzen, die verteufelt werden.
Wenn ich solche Aussagen höre oder Videos wie das genannte sehe, mag ich gar nicht mehr gross darüber diskutieren. Leute, die solche Äusserungen machen oder solche Inhalte verbereiten, ob alt oder jung, sind meistens unbelehrbar und wollen nichts anderes hören.
Dennoch, „fürs Protokoll“, meine 5-Cents dazu:

„Früher war alles besser“

Nein! Einiges mag besser gewesen sein, anderes ist heute besser (- wenn man denn unbedingt vergleichen muss). Vorallem ist heute alles (vieles) anders. Und das ist gut so. Vom Alter her werde ich wohl den Digital Natives zugeteilt, dennoch habe ich noch das Prä-Smartphone-Zeitalter miterlebt.
Damals sassen die Leute noch ohne ihre gescheiten digitalen Begleiter im Zug (in welchem noch geraucht werden durfte). Dennoch: man sass für sich, wenn mal alleine war, jede/r vorzugsweise in seinem eigenen Abteil. Anstelle auf einem Bildschirm umherzuwischen wurde gelesen, ein Buch, der Blick oder was auch immer. Oder es wurde Musik gehört.
Und heute sieht es doch gar nicht sooo viel anders aus. Es wird immer noch Musik gehört, es wird immer noch viel gelesen – weniger Papier, dafür mehr auf digitalen Geräten. Ein Vorteil ist sicherlich, dass man sich so weniger schämen muss, wenn man den Blick (die schweizerische Version der Bild, so in etwa) lesen will – kann man das doch unerkannt machen. Mit den digitalen immer mehr könnenden Geräten wird auch kommuniziert – und Kommunikation ist doch per se nicht schlecht, oder? Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht mag zu bevorzugen sein – doch das ist nun mal nicht möglich, und digitale Kommunikation ist meiner Meinung nach besser als gar kein Kommunizieren.

„Wegen Social Media & Co. leidet das wirkliche Leben“

Ohne das empirisch belegen zu können, würde ich sagen: nein- nicht in den allermeisten Fällen! Bei Menschen, die sozial gut verankert sind und die eine gewisse Medienkompetenz besitzen, sind digitale Kommunikationskanäle eine echte Bereicherung.
Und auch bei sozial weniger Verankerten mögen die besagten Kanäle eine Chance darstellen.
Facebook, Whatsapp, E-Mails und Konsorten sind Werkzeuge, nicht mehr und nicht weniger – sie sind das, was wir daraus machen – im Guten oder Schlechten.
Wichtig ist, dass Gefahren und auch Chancen einem (heutzutage) von klein auf aufgezeigt werden – von den Eltern, und von Lehrpersonen.

Lasst uns die Möglichkeiten, die wir dieser Tage haben, ausnutzen und versuchen zu geniessen – jede/r so, wie es ihm gefällt.

3 Gedanken zu „„Früher haben wir noch miteinander geredet!““

  1. Gut zusammengefasst. Man sollte die neuen Möglichkeiten nicht komplett verteufeln, aber genauso wenig alles positiv sehen. Ich nutze all die Dinge auch sehr gern, sehe aber ebenso die negativen Seiten.

  2. Dass neue Medien dumm machen hat man immer gesagt. Das ist nichts. Das war beim Fernsehen auch so. Genauso wie bei Romanheften.
    Finde deine Einstellung aber toll, dass du es differenziert siehst. Denn sie haben wirklich Vor- und Nachteile für jedes Individuum.

  3. Früher war sicherlich nicht alles besser und ich finde ein Smartphone auch super. Ich vertreibe mir gerne im Zug mit ihm die Zeit. Es ist auch bei uns so, das man schnell mal was nachgoogelt, wenn man sich unterhält udn etwas genauer wissen will oder man sich mal ein Video zeigt. Alles positive Dinge unserer Zeit. Ab und an muss man aber auch mit dem Kopf schüttel. Zum Beispiel wenn man Jugendliche sieht, die sich nicht mehr unterhalten in einer Bar, sondern jeder in sein Handy starrt und man sich gegenseitig auf Facebook schreibt. Das hat es früher eben nicht gegeben, weil die Technik einfach nicht vorhanden war.

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