Vor einer Weile habe ich hier das neue Lomo-Objektiv Lomography X Zenit Petzval 85mm f/2.2 vorgestellt.

In der Zwischenzeit habe ich das Objektiv mehr oder weniger eifrig genutzt. In Bern, Berlin und in der Romandie.
Erstaunlich viele Erfahrungen habe ich mit dem Objektiv gemacht, vorallem auch zwischenmenschliche.

Das goldene Objektiv zieht ziemlich viel Aufmerksamkeit auf sich – sowohl von Passantinnen und Passanten – aber auch von Zollbeamten.
Bei der Reise nach Berlin im Juli wurde ich vom Schweizer Zoll aufgehalten, um dann zu erfahren, dass dem Beamten bei der Sicherheitsschleuse nicht klar war, um was es sich handelt bei dem glänzenden Gegenstand. Ich erklärte, das es ein Kameraobjektiv sei. Worauf er antwortete: “So ein Objektiv habe ich noch nie gesehen”. Ich erklärte, dass es ganz neu ist, und auch noch nicht auf dem Markt erhältlich. Ich könne ihm gerne die Internetseite zeigen auf meinem Natel.
Meine Erklärung reichte aus, das Zeigen der Website war nicht erforderlich.
Bei der Rückreise war das Objektiv an die Kamera geschraubt, und die deutsche Zollbeamtin, die meinen roten Schweizer Pass sah, fragte lachend, ob ich nicht hebräisch sei. Ich wusste nicht genau, ob es an meinem Aussehen lag, dass die Frage gestellt wurde, oder an der sternförmigen Blende des Objektivs – oder an beidem. Weiterlesen

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Mit Orten, die man gut kennt oder auch nur häufig besucht, bringt man oft zuerst bestimmte Dinge gedanklich in Verbindung. So ist für mich zum Beispiel der Ort, an welchem ich aufgewachsen bin, untrennbar von der Gondelbahn.
Die roten Gondeln sind Teil des Ortsbildes, würde man sie wegnehmen, würde etwas fehlen. So simpel ist das.
Ob im Winter über weissem prachtvollen Schnee schwebend oder im Sommer über saftig grünem Gras dahingleitend, die “Gondeli” gehören einfach dazu.

À propos saftig grünes Gras: Obschon die Ortschaft mit den roten Gondeli im grünsten Tal Europas ist, erschien mir das Gras dieses Jahr noch saftiger und grüner als sonst. Auch das mag daran liegen, dass ich nicht mehr so oft im Oberland bin – wahrscheinlich ist es aber nur den endlosen Regenmassen des diesjährigen Sommers geschuldet.

Bächlein
Im Wald.

Ich höre ein Geräusch, das ich zwar kenne, aber nicht einordnen kann. Ich merke, dass es sich um das Rauschen des kleinen unscheinbaren Bächleins handelt, welches ab und zu meinen Weg kreuzt, und so schmal ist, dass man es mancherorts gar nicht sieht zwischen dem Gras und den Pflanzen.
Ohne Frage: ich war wirklich lange nicht mehr hier.

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Freitag Abend.

Nach langer Zeit reise ich wieder ins Oberland, dorthin, wo ich aufgewachsen bin.
Die SBB-Seite verrät, dass um achtzehn Uhr der Zug ziemlich voll sein wird.
Also beschliesse ich, etwas länger im Büro zu bleiben, und eine halbe Stunde später zu reisen.
Ein guter Entschluss, es hat genügend Platz im Zug, und es die Stimmung ist angenehm.

Einzig der Kerl, der direkt vor mir sitzt nervt mich etwas – er schreibt auf seinem Natel, mit lauten Tastentönen. Tastentöne – ich kann nicht begreifen, warum man diese eingeschaltet hat. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich zu heikel bin, dass mich so etwas, eigentlich eine Lappalie, stört.

Ich überlege, ob ich mich irgendwie beschäftigen soll während der Zugfahrt, die nicht ganz eineinhalb Stunden dauert. Ich sehe davon ab, es ist ein schöner Tag, und die Aussicht zu bewundern reicht vollends aus – und ich geniesse sie. Anders als früher, als ich noch pendelte und die Strecke täglich zweimal zurücklegte.
Überhaupt ist die Wahrnehmung dieser mir schon so lange bekannten Landschaft eine gänzlich andere als füher – die Berge scheinen höher und imposanter, das Tal unglaublich grün.
Aber so ist das wohl, wenn man Distanz zu etwas gewinnt.

Nach etwa einer Stunde Fahrt nimmt eine Mitreisende ein Gespräch auf dem Natel entgegen – und begibt sich in das Zwischenabteil, um das Gespräch dort zu führen. Das imponiert mir irgendwie – ist es doch irgendwie unter anderem ein schönes Zeichen von Respekt gegenüber den Mitmenschen.

Das Ankommen in der Heimat – dies geschieht nicht erst bei der Ankunft im Bahnhof.
Schon im Zug kommt ein “heimeliges” Gefühl auf, als ich den melodischen, einzigartigen Dialekt bei vielen der Mitreisenden höre.

Früher gab es soviele neue Dienste, die ausprobiert werden wollten – und einige davon schafften es, eine gewisse oder grosse Wichtigkeit zu erlangen; facebook, twitter, instagram, tumblr, foursquare und wie sie alle heissen.

Anderen wiederum ist der grosse Start nicht so richtig gelungen, virb zum Beispiel, andere wiederum wurden ganz gross, sind aber mittlerweile ins Straucheln geraten (flickr – gehörte übrigens in den ersten Jahren nicht zu yahoo) oder erfinden sich neu (myspace).

Es machte Spass (vor circa 10 Jahren), Dienste dabei zu begleiten, während sie grösser und grösser wurden – oder eben verschwanden.

Irgendwie vermisse ich das Entdecken von neuen kleinen interessanten Tools im Web – liegt das an mir oder fehlen solche Projekte tatsächlich?
Natürlich, die Zeit ist eine ganz andere als vor ein paar Jahren, heute ist es zum Beispiel sicher schwerer Fuss zu fassen und zu reüssieren in der digitalen Welt, da gegen Bewährtes gekämpft werden muss – natürlich aber dennoch möglich.

Bim Fuessgängerstreife vorem Bahnhof.

Es isch sächsi, d Ferie si verbii, entsprächend viu Lüt warte druf das d Ample grüen wird.

Zwöi Type stöö näb mir, beidi hei äuä scho gnue trunke.
Der eint faat afa loufe, woner ungfähr ir Mitti vor Strass aacho isch, seit dä wo no nid losglofe isch lut, dases dr anger ja o ghört: “I blibe aube staah bises grüen isch, weisch, wäg de Ching! Nid das die när o zfrüeh losloufe, u när – päng – vomne Laschtwage übercharet wärde!”

Där anger, dr ungedudiger, brucht äs paar Sekunde biser begriift was si Kolleg gseit het – mittlerwile ischs grüen worde und d Strass vo de Fuessgänger bevöukeret – und faat afa lache und antwortet: “Gsesch du hie öppe Ching? Du bisch hie dr chlinscht!” – Dä mite guete Absichte, wo tatsächlech nid vo gröschter Statur isch, isch iz drann mit dänke und überprüeft, ob de nid gliich irgendwo Chind ume sii, und seit när: “Stimmt!”

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Die Bücher von Nick Hornby liebe ich. Also, die meisten jedenfalls. “A long way down” habe ich sofort gekauft, nachdem es erschienen ist. Es war das erste Hornby-Buch, das mich nicht vollends überzeugt hat – ja, gar enttäuscht war ich nach dem Fertig-lesen. Im Buch geht es um vier Personen, die alle in der gleichen (Silvester-)Nacht Suizid begehen wollen auf dem selben Hochhaus-Dach. Die Gegenwart der anderen hält ein/e jede/r davon ab, die geplante Tat zu tun – es springt niemand. Die vier Personen kommen sich näher, bilden eine Art verschworene Gemeinschaft.

Jede der vier Personen erzählt seine Geschichte – und darin lag für mich das Problem des Buches: Jede der vier Personen unterscheidet sich von der anderen, und zwar ziemlich stark. Alle Charaktere erzählen im Buch ihre Geschichte, aus der Ich-Perspektive – und obschon der Unterschiedlichkeit der Hauptprotagonisten liest sich jede der Geschichten irgendwie gleich, vom Erzählstil her – das verdarb mir den Lesegenuss.
NB: An dieser Stelle muss gesagt werden, dass ich das Buch auf Deutsch gelesen habe – wie es in der Originalsprache ist, vermag ich nicht zu beurteilen – und Hornby-Bücher sind zum Teil ziemlich anders auf Englisch – schon nur wegen der nicht wenigen Kraftausdrücke, die in der deutschen Übersetzung grosszügig weggelassen werden.

Als ich hörte, dass das Buch verfilmt werden soll, war ich optimistisch: zwar fand ich das Buch aus den genannten Gründen gar nicht toll, doch die Story an sich schon, und in einem Film wird ja nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern erzählt.

Als ich gestern endlich den Film anschaute, so wurden meine Hoffnungen bestätigt: Das Anschauen des Werkes war eine wahre Freude, Einerseits wurde die Geschichte schön erzählt, ziemlich emotionsvoll und andererseits kann der Film mit einem eindrucksvollen Schauspieler/innen-Aufgebot aufwarten (unter anderem spielen Toni Collette und Pierce Brosnan mit).
Der 92-minütige Film ist wahrlich gelungen, abwechselnd zwischen amüsant, ernsthaft, bedrückend, und rührselig.

“A long way down” – vermutlich das erste Mal, dass ich eine Buchverfilmung dem geschriebenen Werk vorziehe.

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21. Juli 2014

Beim Schreiben dieses Textes sitze ich in einem Restaurant, ganz nah am Brandenburger Tor.
So viele Fotos werden hier gemacht. Mit Handys, mit Fotoapparaten, mit Tablets. Rein vom Brandenburger Tor selber, aber oftmals auch mit Touristen im Vordergrund.

Ich frage mich, auf wievelen Fotos das Brandenburger Tor wohl zu sehen ist, und wieviele Fotos wohl weltweit pro Sekunde gemacht werden.
Und wieviele Milliarden Bilder insgesamt gemacht worden sind von uns Menschen.
(Und wieviele Menschen sich schon dieselben Gedanken gemacht haben.)

Und wieviele Bilder wohl noch gemacht werden.
Und ob das Foto einmal ausgestorben/veraltet sein wird.
Oder ob die Menschheit es schafft, dass es gar nicht soweit kommen muss, dass sich die Frage der vorigen Zeile stellen wird…