Die Faszination einer Auffahrt am Ostermontag

Es gibt Bilder, die bleiben haften. Ein besonders eindrückliches Bild, das in sich in meiner Erinnerung festgekrallt hat, am Ostermontag, um genau zu sein, ist jenes der Auffahrt zum Hotel Dolder Grand, etwas oberhalb von Zürich. Also die Auffahrt jenen Hotels, das im letzten Jahr in die Schlagzeilen geriet – Schlagzeilen, die man wohl lieber nicht gehabt hätte.  Die Auffahrt – wenn man unten von der Strasse her kommt, wirkt es, als führe der Weg geradezu in Nichts, in den Himmel. Eine leichte Neigung nach oben, breit, mit sanfter, anmutiger Kurve, elegant, also bestens passend zum Ort. Die Auffahrt hat etwas Nostalgisches, Retromässiges, Oldtimer, die hinauffahren, das würde passen – und gleichzeitig wirkt sie futuristisch, irgendwie, sie könnte auch Bestandteil eines Science Fiction-Film sein, zweifelsohne, auch darüber hingleitende Raumschiffe, abwegig wäre das nicht.

Zürich

veins and pools

Früher konnte ich nicht allzuviel mit der hierzulande grössten Stadt anfangen. Das änderte sich, als ich vor geschätzt zehn Jahren ein Praktikum in Zürich absolvierte. (Unter anderem) merkte ich, dass Zürcher/innen den Berner-Dialekt mögen (erstaunlicherweise; ist der Züri-Dialekt in Bern doch – sagen wir einmal, nicht bei allen sehr beliebt). Und als ich die Stadt, die nur eine einstündige Zugfahrt von meinem Zuhause entfernt ist, näher kennenlernte, fand ich viele schöne Plätze, abseits der bekannten Bahnhofstrasse. Leicht erhöhte Plätze, von denen man einen tollen Ausblick auf die Häuser und die Menschen unten hatte, und Plätze am See. So mochte ich Zürich immer mehr; und störte ich mich früher die Anonymität Zürichs, so ist dies etwas, das ich heute mag an der Grossstadt. Wobei ich nicht weiss, ob diese Anonymität wirklich noch vorhanden ist, wenn man auch in Zürich wohnt, und viele Leute kennt. Sicherlich eher als in Bern, wo es schlicht weniger Ballungszentren hat. – Eine schlechte Angewohnheit, die ich habe: unweigerlich vergleiche ich Städte miteinander, im Wissen darum, dass das eigentlich nichts bringt. Doch trotzdem mache ich es immer wieder, und auch gerne. Zurück nach Zürich: so einzigartig die Stadt auch ist, und das ist sie meiner Meinung nach tätsächlich, ist auch hier an Ostern nicht viel los. Die Geschäfte sind geschlossen, natürlich, nur am Bahnhof kann man noch einkaufen. Die Strassen sind leerer als sonst, einzig Spaziergänger und Touristen lassen die Strassen nicht ganz verlassen aussehen. Der Züri-See verliert seine Anziehungskraft allem Anschein auch nicht während Feiertagen, an denen das Wetter zwar wunderschön klar ist, aber kalt. Ja, der See, er dient als Sujet unzähliger Kameras, und das zu Recht, zusammen mit den einzigartigen Wolkenformationen, wie gemacht für Postkartenbilder, und Schiffe transportieren Menschenmassen über das – noch – nicht badegeeignete Nass. Schön, diese Ruhe und Gelassenheit, die in der Stadt vorherrscht. Und doch bin ich froh, dass es meistens anders ist. Geschäftiges Treiben und ruhigere Zeiten, beides in abwechselnder Reihenfolge, das ist beides nötig. Wenn auch nicht unbedingt zu gleichen Teilen. Und nicht nur in Zürich.

vom Träumen träumen

untitled

An Träume, daran erinnere ich mich selten. Umso schöner, wenn Träume vor dem Einschlafen bereits beginnen! Wenn man es will, dann geht das. Versprochen! Nicht zu viel nachdenken und der Fantasie sachte einen Schub geben.

skriptlos

stand here

Das Klebeband da auf dem Boden. Als wäre es die Markierung, wo jemand gestanden haben muss. Wie das bei Seifenopern so üblich ist. Oder zumindest ich das denke. Als ob das Leben, das wir als Leben kennen, nur eine Seifenoper ist. Wie mit dieser Erkenntnis wohl umzugehen ist, wäre? Zu erfahren, dass alles geskriptet ist, der Ausgang von allem bereits feststeht.
Beim zweiten Hinschauen, entdecke ich die Überreste eines Plakats, das da angeklebt gewesen sein muss. Und diese Vermutung durch meine Erinnerung bestätigt wird: Gestern, oder vorgestern, da ist mir dieses Plakat, an einem der wohl meist begangenen Orte in der Stadt – vor dem Bahnhof – aufgefallen – also nicht das, was darauf stand, sondern das Plakat an sich. Und ich habe mir überlegt, ob so ein Plakat wohl effektiv ist. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Und wie lange es da sein wird, ehe es jemand entfernt. Und wer das sein wird. Beantworten kann ich die Frage nicht. Entfernt worden ist das Plakat. Von wem, weiss ich nicht. Es ist mir egal. So egal, wie der Inhalt, der da beworben worden ist. Heutzutage muss einem vieles egal sein oder darf nicht interessieren. Ansonsten steckt man fest, bei all den Trivialitäten, denen man so begegnet oder begegnen kann. Wir möchten ja effektiv sein, das muss man, um vorwärtszukommen. Das mag zynisch oder einfach negativ tönen, so ist es aber nicht gemeint. Das Leben bietet uns heute so viel, dass man auswählen muss, mit was man sich befassen will. Ansonsten ist man orientierungslos. Steckt fest. Und trotzdem ist es gut, sich manchmal mit Trivialitäten zu befassen. Wenn man denn Trivialitäten als Trivialitäten bezeichnen will, sicherlich gibt es auch ein schöneres, passenderes Wort dafür.

~

Jedenfalls. Gut, ist das Leben nicht geskriptet. Oder wir es zumindest nicht wissen. Das Nicht-Wissen, manchmal ist das die Hauptsache.

~

Und morgen, da werden nicht einmal die Klebestreifen mehr zu sehen sein, dort vor dem Bahnhof. Das weiss ich.

Sun Island

IMG_20150314_154934

Hohe Erwartungen werden geschürt mit diesem Werbeschild. Wobei wir alle genau wissen, was uns da erwarten würde. Ohne dabei in einem Bräunungsstudio gewesen zu sein müssen. Diese Schilder, egal, wofür geworben wird, sehen nämlich immer so aus, sie wollen eine Sehnsucht wecken, doch dies ist nur Mittel zum Zweck. Um Sehnsucht geht es demjenigen, der das Schild aufgestellt hat, natürlich nicht.

Das Schild habe ich bei einer Tankstelle kurz vor Murten gesehen. Als ich beim Tankstellenshop meinen Einkauf bezahlt habe, gab ich dem Verkäufer nebst einigen Frankenstücken irrtümlicherweise eine Zwei-Euro-Münze. Diese Münze wurde mir höflich zurückgegeben, mit der Bemerkung, nur ‘richtiges’, echtes Geld könne entgegengenommen werden.

Zurück zum Schild. Ich frage mich, wie alt es wohl ist. Vielleicht sogar so alt wie ich? Und ob es das Solarium noch gibt?

Die wohl nie aufhörende Debatte um die Strassenfotografie

DSC08231

Sie ist wieder aufgefacht worden, die Diskussion über die Strassenfotografie. Dass es einfach nicht möglich sei, authentische ‘Strassenfotos’, wie ich sie hier vielleicht etwas salopp nenne, zu machen, wenn vorher, oder nachher eine Genehmigung der Fotografierten, des Fotografierten eingeholt werden soll, liest man. Und dass es ja quasi Chronistenpflicht ist, den Status Quo auf den Strassen fest zu halten mit der Kamera, sonst sieht man ja in der Zukunft nicht, wie es früher ausgesehen hat in der Stadt (damals, als die Autos noch nicht selbstfahrend waren)!
All dies leuchtet mir ein, irgendwie. Recht und Gesetz lasse ich mal aussen vor, mich interessieren genau so sehr moralische und ethische Gundsätze.

Ungeachtet oder trotz des Verständnisses, welches ich für die vorhin genannten Punkte habe, kann ich trotzdem uneingeschränkt zu den Worten stehen, die vor einiger Zeit geschrieben habe. Respekt ist wichtig, und die anfangs genannten Argumente sollen nicht als Ausrede gelten, alles und jeden, egal in welcher Situation, zu fotografieren, dem um-Aufmerksamkeit-heischen und der Sensation willen. Wenn man will, kann man vieles schönreden und rechtfertigen mit Worten.
Nein, wahre Strassenfotografie bildet für mich einen Zustand oder Moment oder eine Situation ab, es bedeutet, aufmerksam durch die Strassen zu ziehen, aufmerksam, und konzentriert, und wichtig: nicht ohne Seriosität.
Die Wünsche der Passanten zu respektieren (und trotzdem gute, und auch authentische Bilder machen), das geht auch ohne nach-Genehmigung-fragen, wenn man die Menschen nämlich wahrnimmt, sie zu verstehen versucht – das ist sowieso wichtig bei der Strassenfotografie, finde ich – dann merkt man in der Regel auch, und schnell, innert Sekunden oder Bruchteilen davon, ob es jetzt jemanden extrem stört, abgelichtet zu werden, oder ob sich die Person vielleicht gar freut, als Sujet oder Teil davon zu fungieren, auch das gibt es! Sensibilität ist dieser Tage umso wichtiger, und gesunder Menschenverstand schadet sowieso nie. Dann kommt es auch gut mit dem Fotografieren auf der Strasse – obwohl es soviele Fotografierende gibt mittlerweile.

Und irgendeines Tages sind vielleicht auch keine Grundsatzdebatten mehr nötig. Obwohl diese Grundsatzdebatten auch ihre Existenzberechtigung haben, und es ganz sicher sogar gut ist, wenn man das eigene Handeln, die eigene Vorgehensweise beim Fotografieren hinterfragt, ab und zu. Eine gelegentliche, wohldosierte Reflexion über das eigene Tun hat noch nie jemandem geschadet.