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Einkaufscenter und Musik – das ist ja so eine Sache. Eigentlich immer läuft in solchen Läden ständig irgendeine Melodie über – wenn man es sich genauer überlegt – immer unsichtbaren Lautsprecher. Mit dem Zweck, die Kundinnen und Kunden möglichst lange drinnen zu behalten, und doch nerven sich viele von uns über die Dauerberieselung.
Doch manchmal, da läuft, meistens gerade wenn man den Ausgang avisiert, ein Lied, ein Lied das man sehr mag, oder das einfach gerade passt. Und man sich entscheiden muss, ob man wirklich schon gehen soll, oder noch etwas bleibt.

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Im Bus sitze ich, froh darüber, dass es gerade noch gereicht hat, das rote Transportfahrzeug zu erwischen. Die Abfahrtszeiten der Busse und Trams merke ich mir nie, wechseln sie doch jedes Jahr wieder, und die Zeit vergeht so schnell, die Jahre rasen so dahin, irgendwie. Und sowieso, eigentlich muss man hier in der Stadt manchmal ein paar Minuten an der Haltestelle warten, aber nie länger. ich schaue hinaus, jenseits der Strasse ist eine Mauer, dahinter das Gerippe von Sträuchern und Büschen, darauf wartend, vom Frühling wiederbelebt zu werden. Unvermittelt blicke ich in gleissend helles Licht – die Sonne, die da hinten aufgeht. Ein rarer Moment, so ganz und gar ungewohnt, glänzt doch die Sonne dieser Tage meistens durch Abwesenheit.
Fünfzehn Sekunden später, ich sehe einen grossen grünen Traktor mit farblich passendem Anhänger. Schon wieder ein seltener Anblick. Traktore und ihresgleichen, sie wirken in der Stadt immer so, als wären sie aus ihrer Umgebung gerissen worden, fremdplatziert.

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Das Fotografieren kann ein zweischneidiges Schwert sein. Das stete, nie endende auf-den-Auslöser-drücken kann dazu führen, dass man sich nicht auf etwas konzentrieren kann, zum Beispiel auf das Geniessen von Ferien. Wenn es nur noch darum geht, das perfekte Bild zu machen, und die Umgebung per se gar nicht mehr im Vordergrund steht und nur am Rande wahrgenommen wird (und man dafür mit 4’000 Bildern nach Hause kommt).
Im Idealfalle aber führt das Fotografieren dazu, dass man den Moment gar noch bewusster wahrnimmt, fördert doch das hinter-der Kamera-sein mit der Zeit das Schärfen der Sinne, verändert die Wahrnehmung etc. pp. – Das will vielleicht geübt sein oder eine gewisse Zeit muss hierfür verstreichen, es ist aber dennoch gar nicht schwierig und geschieht von selbst. Und das gute daran ist, dass dieses Bewusster-Wahrnehmen, das man sich durch das Fotografieren erwirbt, dann auch ohne Kamera nutzen kann. Und das  ist schliesslich etwas vom Grossartigsten, das “den Moment-geniessen”.

Unterwegs in die Stadt, am Abend.
Die junge Frau nebenan ist am Telefonieren. Sie scheint im Verkauf zu arbeiten, sie erzählt von einer Ladendiebin, die einiges geklaut hat.
Sie habe die Frau beim Stehlen beobachtet, erzählt sie, und es dann dem Chef gesagt. Das müsse sie so machen. Die Diebin sei dann erwischt worden, eine Wiederholungstäterin.
Mit Genuss wird das alles erzählt. Dann noch eine Anekdote, die nicht ungesagt bleiben darf:  “Das lustigste war ja, dass der Mann der Diebin auch immer wieder auf Klau-Tour kommt. Er stiehlt immer Alkohol.”

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Es gibt Momente, die fühlen sich wie geträumt an, surreal. Nicht nur im Winter, wenn Schnee vorhanden ist, aber vorallem auch dann erlebe ich diese Augenblicke. Eine wunderschöne weisse Landschaft, Schneeflocken fallen vom Himmel, mit einer Geschwindigkeit, die eine verlangsamte Zeit vermuten lässt, als wäre ein Slow Motion-Modus aktiviert worden. Wenn man aber im Zug sitzt, so ist die Zeit schneller aufgedreht, schneller als normal, jedenfalls in der Welt, die da draussen vorbeibraust oder an der vorbeigebraust wird. Innen, wenn nur vereinzelt Menschen anzutreffen sind und nicht in jedem Abteil, ist das Tempo ein anderes. Zwei Tempi treffen also aufeinander, und das Resultat ist ein unvergleichliches, ein wohltuendes, zum Entspannen. Ich wünsche mir, dieses Zeitfenster – ein solches ist es; dauert die Fahrt doch nur zwanzig Minuten – würde noch lange andauern. Ein Buch lesen, oder eine Mail auf dem Mobiltelefon schreiben, das kommt für mich nicht infrage, nicht jetzt. Der Moment will nicht verinnerlicht werden, das hat fast etwas krampfhaftes. So, als müsse man den Moment bewahren, mit all seinen Facetten, und indem man dies versucht, misslingt es. Weil: so richtig archivieren, mit Bewusstheit, mit Absicht, und so richtig auskosten, das geht nicht zur selben Zeit. Also erlebe ich ich den Moment lediglich, nehme ihn war, fühle ihn. Vielleicht auch nur ansatzweise, aber das reicht. Solche Momente kommen nämlich immer wieder, vielleicht in anderer Form, aber mit der selben Intensität. Und trotz allem, trotz der weggelassenen Archivierung, bleibt ein Rest des Moments in der Erinnerung haften. Als wäre das Gedächtnis eine grosse Litfasssäule, die immer wieder mit neuem überklebt wird. Und wenn man den Rand vom Neuen etwas anhebt, ganz sachte, und darunter Vergangenes findet. Nur ein Fragment, vielleicht, aber auch Fragmente haben ihren Wert.

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So richtig aufgefallen sind mir die Blackberry-Telefone im September 2010. Und mit ‘aufgefallen’ meine ich ‘positiv aufgefallen’.
In einer Limousine sitzend, es war Mittag oder Abend, in New York oder Los Angeles, ich weiss es nicht mehr genau. Ich weiss aber noch, dass im Wagen die Armlehne zwischen Fahrer- und Beifahrersitz breit war, aus schwarzem Leder. Und dass der Chauffeur, ein grosser, breiter Kerl, sein Telefon darauf platziert hatte. Ein Blackberry. Ein Blackberry Bold, um genau zu sein. Richtig gut sah das Stück Technik da aus, als wäre es dazu geschaffen worden, schön dazuliegen. Wenn der Fahrer es benutzt hat, sah das Natel so klein aus, in den Pranken des Mannes. Mit grosser Sorgfalt wurde es behandelt, es schien seinem Besitzer etwas zu bedeuten.
Ich bin jemand, der schöne Dinge mag, und so erlangte das Telefon mit Minitastatur und roter LED-Leuchte meine Aufmerksamkeit. Von meinem Handy, das ich derzeit hatte, war ich nicht mehr so überzeugt, ein Samsung, das seit der Landung in Amerika just nicht mehr funktionieren wollte, obschon es in den USA nutzbar hätte sein sollen.
Die Fahrt war eine recht lange, und immer wieder wurde das Blackberry von der Lehne genommen und es wurde lautstark diskutiert, unter anderem mit der Frau, über die Kinder. Und viel Zeit verbrachten wir im Stau. Ich glaube, es war in Los Angeles.
Blackberry – die Telefone der kanadischen Firma RIM – jedenfalls damals lautete der Firmenname noch so, waren mir natürlich schon vor dieser Autofahrt ein Begriff. Aber wahrgenommen habe ich sie erst ab diesem Zeitpunkt, während ich geduldig im Fond des Wagens sass, inmitten einer amerikanischen Grossstadt.
Seit damals haben es mir die Handys der Kanadier angetan. Nicht nur wegen dem schönen Äusseren, nein, auch die inneren Werte mögen (zumeist, oder wieder) zu überzeugen; die intelligente Tastatur zum Beispiel ist unglaublich praktisch, ich möchte sie nicht mehr missen, hat sie doch sogar berndeutsch gelernt! – Einzig dass die Zukunft von Blackberry, wie RIM heute heisst, so ungewiss ist, immer noch, und immer wieder, ist ein Lack im Kratzer. Hätte ich doch gerne ein Telefon, von dem ich annehmen kann, dass die Herstellerfirma weiter existiert und weiter am Betriebssystem entwickelt wird, etc. pp.
Wie auch immer: Meine Treue zu Blackberrys ist (ungefähr seither) ziemlich gross; über vier Jahre benutze ich nun schon Telefone mit dem silbernen Logo. So lange war ich noch nie einem Handyhersteller treu. Was eine Autofahrt alles auslösen kann.

Die Wirklichkeit ist manchmal die beste Werbung.

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Es ist ja so eine Sache mit dem Winter. Vor einem Jahr, während der eigentlich kältesten Jahreszeit, gab es nur wenige wirklich fröstelnde Augenblicke. In diesem Winter ist es anders zum Glück, zumindest ab und zu. Es hat Schnee, der sich manchmal die Mühe macht, sich blicken zu lassen. Und auch kalt ist es, manchmal. In der Stadt hier merkt man es nur, wenn man sich von den Häuserreihen entfernt, und ungeschützt dasteht. Wenn man zurück zu den Lauben eilt, wo es windgeschützt ist und die warme Luft den grosszügig geheizten Geschäften entweicht, friert man auch in einer dünnen Winterjacke nicht.
Vorgestern, da sagte in der Stadt eine Frau zur anderen, feststellend, dass es gar keine Eiszapfen mehr gebe! Und sie hatte recht, trotz gelegentlichen Kälteeinbrüchen war es – hier im Unterland – nie solange kalt, dass Eiszapfen, Zeugen eines richtigen Winter und Beweis dafür zugleich, entstehen konnten. Doch siehe da, gestern machten die Vermissten ihre Aufwartung. Heute mögen sie schon wieder weg sein, da bin ich mir sicher, aber das macht nichts. Hauptsache, sie haben sich gezeigt, bewiesen, dass es sie noch gibt. Manchmal ist das nötig, das Beweisen einer Existenz. Nicht nur bei Eiszapfen.

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Es ist Sonntag, und circa halb sechs Uhr am Morgen. Ich bin endlich zuhause angelangt. Draussen schneit es. Eine dünne Schicht Neuschnee bedeckt die Strassen. Der Taxifahrer, der mich von der Stadtmitte nach Hause gebracht hat, stammt ursprünglich aus einem anderen Land, einem Land, in dem es nicht schneit, einem Land, das weiter unten im Süden zu finden ist. Das hat er mir verraten, und das hat man auch seinem Fahrstil angemerkt: er fuhr vorsichtig wegen des Schnees, mit Respekt, legte gar kurze Zwischenstopps ein.

Als ich im Schlafzimmer die Fensterladen schliesse, sehe ich, dass beim Eingang des Nachbarhauses ein Mann Schnee schaufelt. Ob dieser Mann, ebenso wie ich, gerade erst nach Hause gelangt ist? Vermutlich nicht.

Ein neuer Tag ist angebrochen, und das fühlt sich immer frisch an, so unverbraucht. Heute wird diese Frische vom Neuschnee noch verstärkt dargestellt, von dessen Unverbraucht- und Schönheit, die die Gegend aufhellen lassen obschon die Sonne sich noch nicht zeigt, und der alle Geräusche, sogar die der Autos ausblendet. Der neue Tag fühlt sich gut an, surreal, wie ich es mag.

Ich gehe schlafen.